
Auf eines ist bei Ferzan Ozpetek Verlass. Mindestens einmal sitzen seine Filmfiguren beim Essen zusammen, scherzen, streiten und trinken, während die Kamera die Tafel unermüdlich umkreist. Die große Runde am Essenstisch, das steht bei Ozpetek stets sinnbildlich für das Ideal der Familie.
Mal ist es die lesbisch-schwule Wahlfamilie wie in „Die Ahnungslosen“, mal sexuell durchmischt wie in „Saturno contro“. Stets aber konzentrieren sich hier die Konflikte und sind Schauplatz von Offenbarungen und Auseinandersetzungen. Wenn’s ganz dramatisch kommt, kippt auch mal jemand vom Stuhl. Aber alles der Reihe nach.
Was könnte italienischer sein als eine Pastafabrik in Familienhand! Vincenzo Cantone will den Betrieb im süditalienischen Badeort Lecce bei einem Festessen in die Hände der Söhne übergeben. Doch die haben ganz andere Pläne. Tommaso, möchte die Zusammenkunft für ein doppeltes Geständnis nutzen. Das Betriebswirtschaftsstudiumin Rom hat er schon lange hingeworfen und sich stattdessen an einem Roman versucht. Und außerdem lebt er mit einem Mann zusammen.
Doch bevor er an der Festtafel das Wort ergreifen kann, kommt ihm sein Bruder Antonio zuvor und bekennt: Er steht auf Männer, will raus aus Lecce und aus dem Nudelgeschäft. Was folgt ist eine der typischen Ozpetek-Szenen. Die Kamera kreist und fängt die unterschiedlichsten Reaktionen in den Gesichtern zwischen Ungläubigkeit und Entsetzen ein, bis Vater Vincenzo mit einem Herzinfarkt spektakulär die Tafel aufhebt. Tommaso bleibt vor Schreck das eigene Geständnis im Halse stecken.
Dramaturgisch hat der türkischstämmige Ozpetek durchaus einen Hang zur großen italienschen Oper, zum Glück aber auch Gespür für ironische Zwischentöne. Seine Sommerkomödie „Mine vaganti (Verstreute Minen), die bei uns den etwas albernen Titel „Männer al dente“ verpasst bekommen hat, macht zweifellos gute Laune.
Unverhohlen zielt Ozpetek aufs Mainstream-Publikum und erschreckt dieses weder mit offenherzigen intimen schwulen Szenen, noch provoziert er mit allzu fremden Lebenswelten. Lediglich als Tommasos römische Freunde überraschend in Lecce aufkreuzen, wird hemmungslos mit schwulen Klischees gespielt. „Männer al dente“ will niemandem wehtun, sondern Spaß für alle. Das ist nicht sonderlich mutig oder gar subversiv, aber schon mal eine ganze Menge für zwei wirklich nette Kinostunden.
„Männer al dente“, I 2010, Regie: Ferzan Ozpetek. Mit Hauptdarsteller: Riccardo Scamarcio, Ennio Fantastichini, Nicole Grimaudo, Alessandro Preziosi, Lunetta Saviano. 110 min., Kinostart: 15. Juli www.maenner-al-dente.de
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