
Wortlos sitzen sie im Taxi nebeneinander und wenden den Blick ostentativ voneinander ab. Auch zuvor, als Günter (Dieter Mann) seinen Lebensgefährten vom Krankenhaus abholte, wurde nur das Nötigste gesprochen. Ist es Wut, was sich da in Günters Gesicht abzeichnet, Wut darüber vielleicht, dass sich Bernhard (Martin Seifert) gegen den Rat der Ärzte entlassen ließ? Oder vielleicht doch das Erschrecken darüber, dass das Unvermeidliche bald geschehen wird?
Sie können sich zwar nicht in die Augen schauen, aber ihre ineinandergelegten Hände zeigen, dass sie keineswegs miteinander zerstritten sind, im Gegenteil. Unzertrennlich, bis in den Tod. In diesen Moment stirbt Bernhard, lautlos und unbemerkt. Später auf der Beerdigung, wenn der Sarg in die Erde hinabgelassen wird, steht Günther abseits von der Trauergemeinde und blickt auch hier demonstrativ zur Seite. Als wäre das Unerträgliche damit zugleich auch ungeschehen.
Man mag es bedauern, dass Regisseur Andreas Kannengießer, statt gradlinig und in großem Bogen zu erzählen, auf eine eher offene Dramaturgie setzt. Das erschwert zunächst den Einstieg in „Vergiss dein Ende“, aber schmälert nicht die Wucht, mit der viele dieser Szenen auf den Zuschauer einwirken. Stoisch und mit großer Würde begegnet Günther dem Tod seines Mannes und flieht überstürzt zu ihrem Ferienhäuschen an der Ostsee.
Unbemerkt ist ihm die Nachbarin Hannelore (Renate Krößner) gefolgt. Zurückgelassen hat sie ihren demenzkranken Ehemann, dessen Pflege ihre physischen und psychischen Kräfte zunehmend überfordert. Kannengießer zeigt diesen Alltag in aller Deutlichkeit, einen manchmal geradezu rabiaten alten Mann (Hermann Beyer), der seiner Frau wütend ins Gesicht spuckt und wenige Minuten später wieder hilflos und sanft wie ein kleines Kind ist.
In ihrem Verlust kommen sich die beiden nahe, Günter, der seinen Mann an den Krebs verloren hat, Renate, die den ihren geistig und körperlich entgleiten sieht. Das alles mag schrecklich klingen, auch schrecklich nach Lehrfilm in Sachen Pflegenotstand. All das aber ist „Vergiss dein Ende“ ganz gewiss nicht. Vielmehr ein in seinen besten Momenten anrührendes, niemals sentimentales Melodram, das vor allem von einem erzählt: von der Liebe, die Paare auch über Krankheit und Tod hinaus verbindet.
„Vergiss dein Ende“. D 2011. Regie Andreas Kannengießer. Mit Renate Krößner, Dieter Mann, Martin Seifert, Hermann Beyer, Eugen Krößner. 93 min. Kinostart 22. September (in Hamburg: 3001 Kino)
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