
Es ist zunächst ein One-Night-Stand ohne gemeinsames Frühstück. Nichts überstürzen, nicht zu viel Nähe und Verbindlichkeit auf einmal. Wie Schwule eben gerne mal so ticken. Man trifft sich aber doch wieder, lernt die Zweisamkeit zu schätzen und das Verliebtsein zu genießen. Doch zwischen der ersten gemeinsamen Nacht und den vielen weiteren Nächten liegt eine Nacht des Exzesses. Auf einer privaten Gruppensexparty wirft sich Jirka mitten in die Orgie und erlebt einen einzigartigen, drogenumnebelten völliger Entgrenzung. Das Erlebnis bleibt ein Geheimnis - bis er wenige Wochen später positiv getestet wird.
Der 1978 geborene Schweizer Simon Froehlings ist in seiner Heimat bereits mit einigen Theaterstücken hervorgetreten. „Lange Nächte Tag“ ist sein Erstlingsroman. Und es ist keine übliche schwule Liebesschmonzette. Froehling erzählt das Ringen der beiden Männer um Intimität, Distanz in geschickt arrangierten Vor- und Rückblenden, die die das Geschehen vorantreiben.
Seine Sprache vermeidet dabei alles allzu Gefühlsduseliges. Für Romantik ist in der Geschichte von Jirka und Patrick kaum Platz. Präzise, schlicht und kühl seziert Froehling das selbstzerstörerische wie symbiotische Verhältnis der beiden Männer zueinander. Mag der Roman mit seinem überraschenden Finale auch etwas konstruiert erscheinen, man legt ihn nach der Lektüre zumindest nicht unberührt zur Seite.
Axel Schock
Simon Froehling „Lange Nächte Tag“, Bilger Verlag, 200 S., 21.80 Euro
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