
„Stefan!“ – „Lukas!“ – Pause. Die Hauptdarsteller bei duslog.tv sind nicht Lena und Co.: Es sind die Macher selbst. Der (schwule) Medienjournalist Stefan Niggemeier und sein Kollege Lukas Heinser, der weit mehr ist als ein bloßer Side Kick fürs Auge, begrüßen zu Beginn jeder Folge ihres Videotagebuchs auch nicht die „lieben Zuschauerinnen und Zuschauer“, sondern sich selbst.
Mit ihrem Blog und der Website duslog.tv, die darum herum gestrickt ist, bieten sie das derzeit wohl beste Medienangebot zum Grand Prix. Das liegt an der Unabhängigkeit der beiden und an der Perspektive, die Niggemeier und Heinser einnehmen. Sie führen Interviews professionell, aber nicht so, dass sie den Kriterien der Verwertungskette von ARD und Pro7 unterworfen sein müssten. Sie nehmen ihre Arbeit ernst, sich selbst und den Song Contest aber nicht so sehr.
Mit viel Ironie und Witz durchpflügen sie den Düsseldorfer Eurovisions-Dschungel, entdecken all die Haupt- und Nebensächlichkeiten, die sich hier finden lassen. Die Reporter schrecken auch nicht davor zurück, die Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten zu thematisieren. Immerhin: In diesem Jahr gibt es sogar Stativ und Mikro für die Dreharbeiten, das war 2010 in Oslo noch nicht so. Trotzdem fällt mal der Ton aus (dann wird halt untertitelt), dann wieder wackelt das Bild. Doch das Unperfekte ist in Wahrheit das Geheimnis.
Niggemeier und Heinser bewegen sich auf Augenhöhe mit ihren Zuschauern. Sie staunen, wo es nötig ist – haben dabei aber ganz selbstverständlich die erste Garde vor der Kamera. Da führt der ARD-Unterhaltungschef höchstselbst in der Aufbauphase durch die Arena. Und der technische Leiter der größten Musikshow der Welt erklärt die unfassbar große LED-Wand und sagt mal eben so daher, dass der ganze Krempel mehr als zehn Millionen Euro kosten würde, müsste man ihn kaufen und nicht mieten. Der scheinbare Lieschen-Müller-Blick hinter die Kulissen wird professionell geführt – der Spaß für die Zuschauer ist umso größer. Einziger Schönheitsfehler: Dass Lukas nicht schwul ist, geht natürlich gar nicht…
Niggemeier und Heinser sind gleichzeitig interessierte Fans und Journalisten, ohne sich in der Grand-Prix-üblichen Art akkreditierter Fanclub-Homos zu gerieren. Wenn sie auf Lena treffen, ist das keine schleimige Ranschmeiße, selbst wenn Lukas ihr nach einem Jahr endlich das in Oslo versprochene Mixtape schenkt. In dieser Vertrautheit entsteht vor der Kamera plötzlich eine Situation, wie man sie sich nur wünschen kann. Auch Deutschlands Grand-Prix-Siegerin verfolgt den Blog und fragt den kritischen Reporter: „War ich wirklich so schlimm?“ – plötzlich ist Lukas Heinser für eine Sekunde sprachlos und in einem Rechtfertigungszwang, den sich arrivierte Journalistenkollegen verbitten würden.
All das passiert in einer spielerischen Leichtigkeit, dass der Zuschauer zum Kumpel der beiden Reporter wird oder sich zumindest so fühlen darf. Die acht bis zehn Minuten jeder Folge vergehen dabei wie im Flug, und noch beim Zuschauen freut man sich bereits darauf, wie sich die Jungs wohl diesmal verabschieden werden: „Düssikowski“ vielleicht oder lieber „Euroviderci“? Auf jeden Fall: „Grandprixdersehen!“
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