
Mel, es wurde jahrelang darüber spekuliert, ob du lesbisch oder bisexuell bist...
Tatsache ist: Ich bin heterosexuell und liebe einen Mann. Aber natürlich habe ich viele lesbische und schwule Fans. Früher fragten sie mich manchmal: „Wann hast du endlich dein öffentliches Coming-out?“ In solchen Momenten war es mir fast ein bisschen unangenehm, dass ich gar keine Lesbe bin.
Inzwischen hast du eine zweijährige Tochter. Wie hat sie dein Leben verändert?
Scarlet hält mich ganz schön auf Trab. Sie sagt stets: „Ich bin der Boss.“ Irgendwie ist das auch so. Ich finde eine gewisse Disziplin zwar wichtig, bin aber zu nachgiebig. Trotzdem versuche ich, die Kleine nicht zu sehr zu verwöhnen.
Weil du selbst aus einfachen Verhältnissen kommst?
Es stimmt, wir hatten wenig Geld. Darum konnte ich mir nie die angesagtesten Spielzeuge leisten. Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass Luxus nichts Selbstverständliches ist.
Bis du ein Spice Girl wurdest?
Diese Band hat mein Leben natürlich völlig auf den Kopf gestellt. Ich war 19, als wir die Spice Girls gegründet haben. Für unseren Erfolg mussten wir richtig hart schuften, darum fühlten wir uns oft ausgepowert. Dazu kam der Druck der Medien. Rückblickend würde ich sagen: Wir hatten es ganz bestimmt nicht immer leicht.
Das klingt nicht so, als würdest du dich nach einer Wiedervereinigung sehnen.
Ich kann darauf verzichten. Sicher war es toll, 2007 noch mal mit Victoria, Emma, Mel und Gerri auf der Bühne zu stehen. Aber im Moment haben wir keine weitergehenden Pläne. Ich konzentriere mich lieber auf meine Solokarriere. Da brauche ich keine Kompromisse zu machen, sondern kann meine eigene Persönlichkeit ausdrücken.
Auf deiner CD „The Sea“ gibt es eine englische Version des Rosenstolz-Hits „Liebe ist alles“. Warum?
Als ich in London eine Rolle im Musical „Blood Brothers“ übernahm, kam eines Abends Peter Plate in die Show. Wir haben uns getroffen, er hat mir das Stück vorgespielt. Dazu legte er mir eine wunderbare englische Übersetzung namens „Let there be Love“ vor, die habe ich dann mit Peter in Berlin aufgenommen.
Dein Album hat weitaus mehr als nur Balladen zu bieten. Wolltest du möglichst viel ausprobieren?
Zugegeben, eigentlich bin ich Popsängerin. Allerdings stehe ich genauso auf Rock, Dance oder Beats. Also habe ich entschieden, von allem etwas in meine Musik einfließen zu lassen. Deswegen tat ich mit unterschiedlichen Songschreibern zusammen – von Guy Chambers bis Adam Argyle.
Mit ihm hast du zum Beispiel an dem Titel „Stupid Game“ gearbeitet. Worum geht es da?
Um mein Verhältnis zu den Medien. Ich weiß natürlich, dass wir in einer Art Symbiose leben. Bloß nutzt die britische Boulevardpresse das zum Teil schamlos aus. Sie versucht, Vorteile aus meiner Offenheit zu ziehen und verdreht manchmal sogar Sachen, die ich sage. Dieses Spiel finde ich ziemlich mies.
Was bringt dich wieder runter, wenn du dich über so was aufregst?
Ein Spaziergang am Meer. Ich habe Biff Stannard in Brighton besucht, weil er mich ein wenig bei meinem Album unterstützen sollte. Sein Studio liegt ganz nah am Wasser. Das hat mich auf die Idee gebracht, meine CD „The Sea“ zu nennen. Für mich war es aufregend, Musik zu machen, die wie der Ozean ist: unberechenbar und mächtig.
Das Album „The Sea“ erscheint bei Warner Music. Mehr unter www.melaniec.net
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