
Der FDP-Politiker Jörg-Uwe Hahn ist in Hessen qua Amt für den Bushido-Bambi zuständig: In das Ressort des liberalen Justizministers gehört auch das Thema Integration, zudem wird der Preis in der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen. An der aktuellen Debatte um die Preisverleihung kam Hahn also nicht vorbei.
Eine heikle Situation: Wie übt man Kritik, ohne den Burda-Verlag zu desavouieren, der am Donnerstagabend für ein wenig Glamour in Wiesbaden sorgt – und damit jenen Glanz, in dem sich gerade Politiker allzu gerne sonnen.
Hahn entschied sich für eine kurze Erklärung: „Bushido ist eine umstrittene oder streitbare Person. Er bedient üble Klischees, aber er nutzt auch seine Popularität, um gute Botschaften zu verbreiten, etwa: Ausländer, die hier leben, müssen die deutsche Sprache lernen“, ließ der Minister verlauten. Und „Er spricht die Sprache der Kids.“
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, wollte sich mit einer solchen Sowohl-als-auch-Position nicht zufrieden geben. Er wandte sich in der Zwischenzeit mit einem Brief an Verleger Hubert Burda, der auch Vorsitzender der Bambi-Jury ist. Darin zitierte Beck die Songs von Bushido: „In seinen Texten und Statements ruft er regelmäßig zu Gewalt gegen Schwule und Lesben auf (‚Berlin wird wieder hart, wir verkloppen jede Schwuchtel‘), Frauen bezeichnet er dort vor allem als ‚Schlampen‘ und ‚Nutten‘.“
Ob dies jene deutsche Sprache ist, die Ausländer nach Auffassung des hessischen Integrationsministers zu lernen haben, darf bezweifelt werden. Dennoch will Hahn auch das Gute sehen und bescheinigt dem umstrittenen Rapper besondere soziale Kompetenzen: „Er unterstützt Integrationsprojekte in Schulen. Der Preis sollte ihm Ansporn sein. Er hat jetzt den Auftrag, sich als Brückenbauer zu profilieren.“
Dass dies funktioniert, glaubt Volker Beck nicht: „Bushido hat unter seinen jugendlichen Fans ein hohes Identifikationspotential – die Wirkung solcher Worte sollte deswegen nicht unterschätzt werden“, schrieb er an Hubert Burda. Und: „Wenn eine bedeutende Institution der Musikbranche, wie sie der Bambi darstellt, diese dominante Seite seines Tuns ignoriert, legitimiert und verharmlost sie zugleich die verheerende Wirkung seiner homophoben und frauenfeindlichen Texte.
Beck forderte den Verleger auf, die Preisverleihung an Bushido rückgängig zu machen.: „Setzen Sie ein Zeichen gegen Intoleranz und menschenverachtende Propaganda!“
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