
Nina, noch vor zehn Jahren hast du im Programm „Indische Nächte“ von Erleuchtung gesungen. Wie kam es zum Glaubenswechsel vom Hinduismus zur evangelischen Religion?
Die Religion von mir lebe ich doch schon mein ganzes Leben – auch in Indien war Jesus immer bei mir. Das ganze ging schon mit 17 los, als ich ein Nahtoderlebnis hatte: Ich war damals auf LSD und mir ist Gott erschienen. Es war wunderbar und ich wollte es noch einmal probieren. Doch beim zweiten Mal war es ein Horrotrip. So ging es weiter mit meiner spirituellen Suche und irgendwann landete ich in Indien. Mich macht es traurig, wenn die Leute sagen, die Hagen spinnt, weil sie jetzt für Jesus missionieren geht. Ich habe trotz Indien immer an Jesus geglaubt! Das ist auch auf meinen alten Platten zu hören. Schon 1982 gibt es Textzeilen von mir wie (singt!): „Liebster Gott in Space, wenn wir uns treffen face to face, dann gibt’s nichts mehr zu jammern.“ Mein Gott, bin ich ein religiöser Mensch!
Haben denn die Texte, die du früher geschrieben hast, auch heute noch ihre Gültigkeit?
Aber sicher doch! „Unbeschreiblich weiblich“ auf meiner ersten Platte in Westdeutschland, zum Beispiel. Das ist ein Lied über Abtreibung, den Text habe ich damals so gemeint und gespürt. Heute bin ich aber sehr glücklich über meine beiden Kinder Cosma Shiva und Otis. Doch immer noch bin ich der Meinung, dass junge Frauen selbst entscheiden sollen dürfen, ob sie ein Kind austragen wollen oder nicht.
Warum hast du mit Indien abgeschlossen?
Diese Mantren, die dieser Guru mir damals beigebracht hat, haben mich nicht gesund gemacht, im Gegenteil: Es war Gehirnwäsche! Ich haben diesen Shiva-Typen als Lügner entlarvt. Er hatte viele Jünger, die auf radioaktiv verseuchtem Gebiet für ihn arbeiten mussten. Die dunkelhäutigen Menschen dort dürfen ihre heiligen Schriften nicht lesen, das Kastensystem ist Menschen verachtend und eine Frau zählt überhaupt nichts. Durch Schlafentzug bekamen die Leute Psychosen und wurden so noch unterwürfiger. Ich weiß sogar von zwei Menschen, die sich deshalb das Leben genommen haben Für mich ist dies eine Form von Faschismus! Leider habe sogar ich fast zehn Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass das alles gelogen ist!
Warum hast du dich evangelisch und nicht katholisch taufen lassen?
Die evangelische Religion ist liberaler. Doch leider gibt es auch „Christen“, die etwas gegen Homosexualität haben. Das sind für mich keine Christen, das ist wieder faschistisches Gedankengut! Und damit hat Gott ja überhaupt nichts am Hut, wenn die Schwulen diskriminiert werden. Jesus hat gesagt, wir Menschen sollen uns alle lieben, wir sollen auch unsere Feinde lieben. Also, wo ist da bitte das Problem?
Du hast Jazz gemacht, Punk natürlich, Disco, Oper, Funk oder Rock. Wie kam es, dass nun eine CD entstand aus einem Mix aus Blues, Gospel und Country?
Ich habe schon als Kind Country nachgesungen, zum Beispiel von Elvis Presley. Das Lied „Help me“ von ihm auf meiner neuen CD stammt übrigens von ihm. Es ist noch gar nicht so lange her, ich war elf oder zwölf, da hatte ich das große Glück, bei Wolf Biermann die „Afro American Rock and Roll Queen“ Marie Knight kennen zu lernen. Sie hat mir einiges beigebracht. Und Blues und Gospel kannte man doch schon immer von mir. Das sind alles Lieder Gottes, die aussagen, dass wir alle gleich sind. Und aus dem Blues entwickelte sich Jazz, Soul und Rock’n’Roll.
Hast Du eine Lieblingsrichtung bei der Musik?
Alles! Das kann man mich doch so nicht fragen! Es ist, als ob man ein kleines Kind fragen würde, was sein Lieblingsspielzeug sei.
Im Moment bist du auf Deutschland-Tour. Was machst du anschließend?
Das musst du Jesus fragen, Jesus ist mein Manager. Aber meine Tour geht weiter: Sie führt durch ganz Europa und sogar bis nach Mexiko, Kanada und auch nach Brasilien. Da war ich zum letzten Mal vor 500 Jahren! Und noch was: Gott liebt Homosexualität, das ist genauso heilig wie Heterosexualität. Die Faschisten und Control-Freaks unter den Christen sind auf dem falschen Weg – nämlich auf dem unchristlichen! Das möchte ich der Gay Community gerne und unbedingt noch mitteilen!
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