
Eigentlich müsste man Scott Matthew vernichtende Kritiken, private Enttäuschungen und möglichst viel Pech wünschen. Denn sein Leid ist unser Glück: Was andere in die schwere Depression treibt, macht der hoffnungslose Romantiker zu brillanter Musik.
Aber so einfach ist die Sache nicht, und auch der glamouröse Bart-Träger Scott Matthew lebt von den aufblitzenden Hoffnungsmomenten auf seinem dritten Album „Gallantry´s Favorite Son“. Klavier, Streicher und seine Mitleid-erregende Ukulele bilden ein raffiniertes Arrangement-Gerüst, aus dem sich Matthews brüchig-zarte Stimme heraus schält. In der hohen, dramatischklagenden Lage sind Singen und Hauchen oft eins, weiter unten trägt ihn seine Stimme dafür siegesgewiss dem nächsten Abgrund entgegen.
Das ist queerer Pop in seiner facettenreichsten Ausprägung, der dem in Australien geborenen Sänger Vergleiche mit dem jungen David Bowie einbrachte (SPIEGEL, Rolling Stone), und dem Album kleine Hymnen bescherte (INTRO: „Was ein Trip.“).
Im Oktober ist Scott Matthew sogar auf Platz 1 der (immer noch vorhandenen) deutschen Album-Charts geraten. Das passt zu ihm wie die Ironie zur Geschichte, und erklärt sich so: Das nicht unerfolgreiche Duo Rosenstolz wollte etwas aufregenderes und nahm gemeinsam mit Scotty für ihr neues Album den Song „Beautiful“ auf. Wenn die Rosenstolz Fans nur wüssten, wer da so heraus singt...
Scott Matthew: Mittwoch, 12. Oktober, 20 Uhr, Kampnagel K2, Abendkasse 18 Euro
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