
Das Liebesunglück von Romeo und Julia ist nicht nur für Theater eine sichere Bank, es inspirierte auch zu zahllosen Adaptionen. Die kommerziell erfolgreichste Verfilmung war sicherlich „Romeo & Juliet“ von Baz Luhman. „Hörzu“-Gründer Eduard Rhein hatte sich unter dem Pseudonym Claude Borell mit „Romeo und Julius“ seine schwulen Phantasien von der Seele geschrieben.
„Private Romeo“ packt nun beide Varianten zusammen: Gesprochen werden Shakespeare Originalverse, zu sehen aber gibt’s eine schwule Lovestory an einer US-Militärakademie.
Wenn die jungen Kadetten nicht gerade militärisch gedrillt werden, sitzen sie im Klassenzimmer und lesen „Romeo und Julia“ mit verteilten Rollen. Warum sie aber auch außerhalb des Unterrichts weiterhin Shakespeare sprechen, bleibt das Geheimnis von Regisseur Alan Brown.
Anders als etwa in Tom Gustafsons „Wäre die Welt mein“, in der eine Theaterproduktion des „Sommernachtstraums“ spielerisch mit dem Coming-out-Story eines der Darsteller verschwimmt, geht die Sache bei „Private Romeo“ nicht wirklich auf. Schon komisch, wenn hier Jungkadetten wie selbstverständlich als Julia oder deren Mutter angesprochen werden. Es steht halt so im Text. Tiefere Erkenntnisse ergeben sich daraus aber nicht.
Die überzeugenden (und sehr ansehnlichen) Jungdarsteller können Shakespeares Versen Leben und Sinnlichkeit einverleiben, was nicht selbstverständlich ist. Hale Appleman und Matt Doyle als heimlich verliebtes Paar wiederum schaut man bei ihren Liebesschwüren gerne zu. Das hypermaskuline Setting der Militärakademie sorgt zusätzlich für testosterongeschwängerte Atmosphäre. Schade nur, dass diese beiden Ebenen in „Private Romeo“ nicht recht zusammenkommen wollen.
„Private Romeo“. USA 2011. Reige Alan Brown USA. Mit Hale Appleman, Matt Doyle, Seth Numrich, Charlie Barnett. 98 Minuten, engl. OF mit dt. UT.
Gayfilmnacht, CinemaxX Hamburg.Wandsbek, 21. November, 20 Uhr
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