
Punker, Popper, Waver, Ökos, Heavies, Grufties, Acid-Jünger oder Hip-Hop-Heads: Sie alle hatten ihren Sound und ihre Kleidungscodes. Die Arte-Reihe „Welcome to the Eightieszeigt die musikalische Entwicklung der 80er Jahre. Die sechsteilige Dokumentationsreihe bettet die musikhistorische Aufbereitung in den zeitgeschichtlichen Rahmen ein und erzählt so, wie wir wurden, was wir sind - wurden doch in den 80er Jahren jene popkulturellen Gleise gelegt, auf denen wir heute noch reisen.
In der heutigen Folge heißt es: Bye, bye, linke Kulturkritik. Denn die 80er sind auch das Jahrzehnt, in dem die Wall Street plötzlich cool und in Hollywood vermarktet wird. Die Popper der frühen 80er bilden die Vorhut, ihnen folgen die Yuppies. Sade, Everything but the Girl und Matt Bianco liefern die musikalische Kulisse für die gepflegte Party mit Leonardo-Gläsern und Mumm-Sekt. Die neuen Superstars heißen Madonna und Michael Jackson. Und Kommerz ist ab sofort kein Schimpfwort mehr, ganz im Gegenteil, man bekennt sich sogar dazu.
„Welcome to the Eighties“ wirft einen Blick hinter die Kulissen des Produzentenpops der Hit-Fabrik von Stock, Aitken & Waterman: Rick Astley, Kylie Minogue, Bananarama - deren Top Ten-Songs hören sich zwar alle ähnlich an, doch das Volk in den Großraumdiscos kann nicht genug davon bekommen. Von Frankreich aus landen Desireless, Guesch Patti und Rose Laurens die großen Hits. Mit MTV erlangt die Popmusik einen einmaligen Visualisierungsschub - ein Effekt, von dem unter anderem A-Ha zu berichten wissen.
Im Zwiespalt zwischen neuer Kunstform und Werbeträger der Plattenindustrie bringt das Genre Großtaten wie Michael Jacksons Thriller hervor - jedoch weit mehr Tiefpunkte. Aus Superstars werden Megastars, Michael Jackson und Madonna sind die Prototypen. Das Musiksponsoring wird selbstverständlich: Stars wie Tina Turner röhren ihre Gassenhauer nun für braune Brause - ein Hauch von Wall Street und Big Business erfüllt die Musikindustrie. „Yuppies“, „Young Urban Professionals“, sind in aller Munde, und da man auch Feigenblätter braucht, wird das Multimediaevent „Live Aid“ zum bis dato größten Benefiz-Event.
In einer Kombination aus Zeitzeugeninterviews, bekannten und unbekannten Fundstücken aus den Archiven und intensiver Spurensuche vor Ort - in der Bronx, in Sheffield oder in Berlin - entfaltet die sechsteilige Dokumentationsreihe ein mitreißendes Panorama aus brodelndem Underground und unvergessenen Hits. „Welcome to the Eighties“ rekonstruiert die damals vorherrschenden ästhetischen Welten und setzt da an, wo sie in Konflikt miteinander gerieten.
Wie Punker gegen Hippies rebellierten, Synthie-Popper den Macho-Rock attackierten, sich im schwarzen Ghetto eine eigenständige, schwarze Kultur gegen den weißen Mainstream auflehnte, eine neue Lust am Kommerz die linke Kulturkritik beerdigte, eine schrille Partykultur Kopflastigkeit und kritische Distanz besiegte und bleich geschminkte Gothic-Freaks dem solariumgebräunten Körperkult der 80er eine düstere Welt aus Weltschmerz und Okkultismus entgegensetzten.
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