
In „Bullenbeißer“ verabreden sich schwule Männer anonym mittels GPS zum Ringen im Wald. Hast du dir das ausgedacht?
Mein Freund hatte in den 80er Jahren Männer zum Ringen gesucht; damals noch ganz klassisch mit Zeitschriftenanzeigen und ohne Internet. Er hat solch eine Einladung bekommen, ist aber nicht hingegangen. Schließlich war er ja nicht lebensmüde. Ich habe die Idee nun aufgegriffen und mit GPS und Gayromeo als Kennenlernplattform modernisiert.
Gibt es denn heutzutage solch erotisches Kräftemessen?
Dass es regelrechte schwule Fightclubs gibt, wage ich zu bezweifeln. Raufwochenende, wie ich sie im Buch beschreibe, allerdings schon. Und Schwule, die auf Ringen stehen, gibt es eine ganze Menge. Aber solche Blind-Date-Kämpfe dürften wohl eher nur in meinem Roman existieren.
Vielleicht kommen sie durch dich in Mode.
Wer weiß (lacht). In „Bodycheck“, meinem ersten Roman, spielen ja Zunfthosen eine tragende Rolle. Als ich die vor fünfzehn Jahren getragen habe, hat man noch den Kopf geschüttelt. Heute sind die in der Szene absolut gängig.
Nicht nur, dass Männer per GPS an die Treffpunkte gelotst werden: Auf deiner Website gibt’s auch eine Google-Maps-Seite, auf der man alle wichtigen Handlungsorte vom Duvenstedter Brook bis Bargteheide-Land punktgenau lokalisieren kann. Für GPS scheinst du ein Faible zu haben.
Ich muss zugeben, ich hatte vorher wenig Erfahrung damit. Zu GPS hatte ich immer gemischte Gefühle. Ich bin ja eher ein Landkartenfreak. Bei Motorradausflügen fuhr ich immer an der Spitze, weil ich der war, der wusste, wo‘s langgeht. Heutzutage findet ja jeder Idiot dank Navi schöne Straßen.
In „Bodycheck“ wie auch in „Bullenbeißer“ geht‘s um echte Kerle mit ordentlichen Muskeln, die im Alltag durchaus als Hetero durchgehen.
Das hat mit meinem späten Coming-out zu tun, aber auch mit meinen Vorlieben. Ich bin ein Spätzünder. Ich kannte zwar Schwule, fand sie aber nie sonderlich erotisch. Stattdessen habe ich mich nach Männern umgedreht, die eher dem klassischen Männerbild entsprachen. Mit „Bodycheck“ wollte ich einen Roman mit schwulen Figuren schreiben, die man landläufig als männlich einstuft, um damit den gängigen Klischees mal etwas entgegenzusetzen.
Nicht nur Ringen und Raufen, auchMotorräder sind in „Bullenbeißer“ nicht ganz unbedeutend. Das überrascht nicht, wenn man weiß, dass du bereits einige Motorrad-Sachbücher veröffentlicht hast. Kommt nun ein schwuler Schnellbahn-Roman?
Das ist gewissermaßen eine Jugendsünde. „Schnellbahnen in Hamburg“ erschien 2006, im Wesentlichen habe ich es allerdings 1974 mit 16 geschrieben. Der Unterschied zum Sachbuch ist, dass ich im Roman Figuren formen kann, die Dinge tun, die ich selbst nie tun würde. Ich bin im realen Leben weit weg vom promisken Hardcore-Schwulen und mag da manchem durchaus spießig erscheinen. Vielleicht kompensiere ich mit den Romanen ganz einfach ein paar Fantasien.
Rolf Redlin: „Bullenbeißer“, Männerschwarm, 264 Seiten, 14 Euro
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