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13.08.2010

Nicht wie die anderen

Warme Lieder: Ralf Jörg Rabers hat ein wunderbares Kompendium über Lesben und Schwule im deutschen Liedgut vorgelegt: „Wir sind, wie wir sind“. Ein Jahrundert in Schrift, Bild - und Ton.


Auch die heile Welt eines Schlagersängers kann mal durcheinander geraten. Wie etwa die des Schweden Johnny Bode. Weil er während des 2. Weltkrieges in NS-Uniform für die norwegischen Nazi-Kollaborateure auftrat, wurde er in seiner schwedischen Heimat lebenslang boykotiert. Sein Geld verdiente er fortan mit dem Verfassen von Kirchenchorälen, Pornoromanen und unmissverständlichen Liedern („Nur mit weißen Handschuhen wichst man mich“),  die er auch in Deutschland veröffentlichte.

Noch überraschender aber die Single, die der überzeugte Hetero 1968 unter dem Namen Johnny Delgada herausbrachte : eine rührig-kitschige schwule Schnulze mit dem Titel „Wir zwei, wir sind nicht wie die andern“.

Dass dieses Kuriosum dem Vergessen entrissen und sogar wieder auf CD greifbar ist, ist das Verdienst von Ralf Jörg Raber. Er hat nicht nur die Sampler-Edition „Homosexualität auf Schallplatte“ initiiert, auf dieser obskure Schlager wiederveröffentlicht wurde, sondern die Früchte seiner jahrelangen Sammel- und Forscherleidenschaft nun auch als Buch aufbereitet und mit zahlreichen Porträts wie dem von Johnny Bode gespickt.

Am Anfang stand die grundsätzliche Begeisterung für das Medium Schallplatte, erzählt Ralf Jörg Raber, der als Religionslehrer in Essen lebt. „Als Kind konnte ich mich für die Musikboxen in den Kneipen und mehr noch für Wechsler-Plattenspieler begeistern, bei denen zehn Singles nacheinander auf den Plattenteller rutschten“. Als Jugendlicher begann er schließlich systematisch Schellackplatten zu sammeln. Als er dabei an erstaunlich offenherzig schwule Lieder aus dieser Frühphase der Musikindustrie geriet, begann Raber ganz gezielt nach solchen musikalischen Zeugnissen zu suchen.

Um es vorweg zu nehmen: „Wir sind, wie wir sind. Ein Jahrhundert homosexuelle Liebe auf Schallplatte und CD“ ist mehr als ein akribisch zusammengetragener Katalog all der Plattenerzeugnisse, sich in deutscher Sprache – ernsthaft, boshaft, satirisch oder emanzipatorisch ­– mit Homosexualität beschäftigen.

Raber gelingt über die Musik zugleich auch eine Kulturgeschichte der Homosexualität im deutschsprachigen Raum – von den Anfängen mit „Der Hirschfeld kommt!“, einem Couplet des Berliner Humoristen Otto Reutter von 1906 über Kabarettschlager aus den goldenen, sexuell experimentierfreudigen 20er Jahren, gutgemeinten Schlagern wie Bernd Clüvers „Mike und sein Freund“, bis hin zu lesbischem Punkrock, homofeindlichem HipHop, Georgette Dee und Rosenstolz sowie Frivolem aus des Spießers Plattenschrank.

Wie etwa die Schlüpfrigkeiten des Marcel André . Der war 1956 von Wien, wo man ihn wegen Homosexualität verurteilt hatte, nach Hamburg geflohen und im Travestieclub „Bar Celona“ zum Star des Ensembles aufgestiegen. 1962 erschien erstmals ein Programm-Mitschnitt mit Liedern wie „Habt Erbarmen mit uns Warmen“. „Trümmer-Tuntentrash, der einem bisweilen den Atem verschlägt“ beschreibt Raber diese Kuriosität, die man nun zu gerne einmal hören möchte. 

Die Schallplatte als industrielles Massenmedium spiegelt für Raber nicht nur den kulturellen wie politischen Zeitgeist wider, sondern er sieht sie auch akustischen Indikator gesellschaftlicher Veränderungen und als Gradmesser von Toleranz und Akzeptanz. Nicht ganz so rosig war es damit Anfang der 70er Jahre bestellt, als die musikalische Schwulenverarsche zum einträchtigen Geschäft wurde und der heterosexuelle Familienvater Alexander Gordan zum tuntig-näselnden Detlev („So schwul kann doch kein Mann sein“) mutierte.

„Die Detlev-Platten prägten in meiner Schulzeit in den70ern, lange vor meinem Coming-out mein Bild von Homosexuellen. Das waren tuntige Exoten, die man nicht ernst nehmen konnte“, erinnert sich Raber. Er hätte sich gerne mit Alexander Gordan darüber unterhalten, wie er seine klischeetriefenden Homo-Plattitüden rückblickend betrachtet. Raber konnte ihn tatsächlich ausfindig machen. Aus Krankheitsgründen war es aber leider zu einem Gespräch mit dem heute weit über Achtzigjährigen nicht mehr gekommen.

Ralf Jörg Raber: „Wir sind wie wir sind. Ein Jahrhundert homosexuelle Liebe auf Schallplatte und CD.“ Männerschwarm Verlag, 406 Seiten, 24 Euro

Rabers „ Homosexualität auf Schallplatte- Sampler „Wir sind, wie wir sind! Aufnahmen 1900-1936“ und „Ich will, daß es das alles gibt! Aufnahmen 1952-1976“ sind bei Bearfamily Records erschienen

Von: Axel Schock

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Die Rettungsflieger: Väter und Söhne  (Serie, D 2004)
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Six Feet Under – Gestorben wird immer: Das ist mein Hund  (Serie, USA 2001-2004)
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Andy Warhol – The Godfather of Pop (2/2)  (Dokumentation, USA 2006)

Umfrage

So wie auf dem Foto geht es nicht immer zu. Hunde und Katzen können sich ja oftmals nicht wirklich riechen...genauso wie die Besitzer. Aber welches ist eigentlich des Schwulen liebstes Haustier? Hund? Katze? 







Leserstimmen

Stefan ´Kim´Kossanyi
Hurra! Spätestens mit diesem spannenden & SUPER-Interessanten Artikel ist meine These bewiesen, dass der Sound...
Thomas Holz
Ganz recht so, wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung! "Ratzi" lässt keine Gelegenheit aus, uns...
Lars Peters
Da hat jetzt aber der Senat ein ganz dickes Brett zu bohren! Während der Pride Week kündigte Staatsrat Dr. Ralf...
Arnd Witt
Da will rein... :-) Vielleicht klappt es ja...
Aneck
Berichtigt mal etwas auf eurer Seite. Nämlich das Arne Friedrich nach wie vor NATIONALSPIELER IST. Das bestätigt auch...
rene
Es ist schon verwunderlich das mal wieder gegen etws protettiert wird, und sich Frau Roth mal wieder in die Presse...
Christian
Lieber Chris, in der von Dir beschriebenen Situation gibt es mehrere Beteiligte, die in einer lasziven Situation...
Volkmar
Hallo Michael... ist schon interessant was man alles so entdeckt, wenn man richtig googgeln kann. Und wenn ich so...
Yasin
schwul sein ist schön.
Chris
Eine Beurteilung wird tendenziell unterschiedlich aussehen, je nachdem, ob man eher die Sichtweise des Positiven oder...
Christian
Danke und Bravo, AIDS-Hilfe. Die stigmatisierende Rechtsprechung, insbesondere der Strafgerichte "... auf dem...
Michael K.
Bei allem Respekt,aber dafür hatte auch der Senat unter der Schwarz-Grünen Zeit und Geld gehabt,dies...
Christian
Ich bin schockiert über die z.T. sehr unreflektierten Kommentare... Von einem Mordversuch kann zunächst mal überhaupt...
wolfgang
Mit so einer Argumentation könnte man auch andere Mordversuche straffrei stellen - schließlich könnte das Opfer gut im...
Michael Schreiber
Unglaublich: Straffreiheit für die Übertragung von Aids??? Selbstverständlich haben Aids-Kranke ein Recht auf...
Christian Knuth
Vorsätzliche Körperverletzung ist es, wenn vorsätzlich infiziert wird! Geistig schwach ist es, HIV-Positive mit...
Dietmar
Seit ihr blöd. Jemanden zu infizieren ist vorsätzliche Körperverletzung. Ihr gehört alle ins Armenhaus für geistig...
Michélle
Das ist etwas schönes das zu lesen den ich bin auch Transsexuell und heiße eig Marcel und deswegen finde ich das toll...
Michael
moin!   so ein schwachsinn! die ARME FDP! hat es ja soooo schwer! nach millionenspenden von Mövenpick und pronto...
Solèr
Ich finde das Boykott und diese Demonstrationen in dem Ausmass mehr als fraglich und peinlich. Ich bin mir auch...
Oliver
Durch die ""Red Night"" wieder ein Schritt in die richtige Richtung was das Thema HIV und AIDS...
Hamburger Symphoniker
Am 29. September 2011 kehrt Maestro Jeffrey Tate nach langer Abwesenheit wieder in die Laeiszhalle Hamburg zurück! Mehr...
Michael
Der letzte Satz ist intererssant, aber nicht verwunderlich. Je mehr Sexpartner der Schwule hat, desto seltener lässt er...
Thomas
Nicht zu vergessen, dass nächstes Jahr auch eine Wahl in Österreich und eine in der Schweiz statt findet. und gay-sol...
Nicholas Feustel
Und wer den Hein & Fiete YouTube-Kanal abonniert (http://www.youtube.com/user/HeinFieteTV) oder sich bei Facebook...
Torsten
Ich halte persönlich wenig von einer räumlichen Abgrenzung zwischen den Generationen. Natürlich ist der Beratungsbedarf...
Jan Böttcher
Interessant finde ich, dass ein Grüner der SPD jetzt vorwirft, ein Jugendzentrum gekippt zu haben, das bislang nicht...
Michael Leipold
Das schwule Jugendzentrum ist nun dank alleinregierender SPD vorerst vom Tisch. Der Bedarf an konzentrierter...
Tom
Der hier publizierten Darstellung der Dinge muss ich doch stark widersprechen. Die von Farid genannten Gründe der...
Ingo
Das klingt eher so, als ob sich Farid Müller da ein Denkmal setzen will! Wieso sollte man bitte eine gut laufende...
Dirk Petersen
In der Metropolregion Hamburg leben ca. 4,29 Mill. Menschen (2008); 30.000 davon sind etwa - konservativ geschätzt -...
Lars Peters
Hallo, vielen Dank für den Hinweis. Ich kann Dir da nur zustimmen. Wir werden uns hierzu eine Stellungnahme der...
Lars Peters
Als ich gestern Marc auf seine Mail geantwortet habe, wusste ich nicht, dass er diese als Offenen Brief hier platzieren...
Marc Sch.
Offener Brief an Hamburg Pride e.V. CSD-PARADE: STILLSTAND IST TÖDLICH!   Liebes Hamburg-Pride-Team, zuerst...
Ebru Krkc
die tage an der Alster fand ich echt toll mit euch allen.. hat mir sehr spaß gebracht und würde mich freuen wenn es...
l.rasch
lieber hinnerk am diesjährigen csd gibts wenig auszusetzen: das wetter: wie wir´s in hamburg kennen + lieben. die...
Dr. Gottfried Lorenz
Stefan, danke für Deinen Kommentar! Auch ich war erschrocken über diese unkommentierte Huldigung für Zarah Leander....
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Noch ein Nachtrag zum letzten Absatz: Kaum war der Hinnerk-Artikel draußen, waren wir abends bei zwei heiratswilligen...
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Arbeit ist auch Wiederholung und macht nicht immer Spaß. Im Bürgermeisteramt hat man Verantwortung für die Stadt, die...
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Hi, beim Surfen bin ich auf den Artikel von Stefan Mielchen über die "Bruderschaft der Kreuzabnahme"...
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Ich kann mich über die Aussage des Gleichstellungsbeauftragten nur wundern. Effektive Gleichstellung setzt die...
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Wie dämlich ist das denn? Was denken sich die Ausrichter dabei?....anscheinend nicht viel! Der Vergleich mit den...
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Klar ist es blöd, wenn die Lebenspartner nicht zu einem Senatsempfang aus Anlass des Lebenspartnerschaftsgesetztes...
Horst Reiners
Schwul-lesbische Sichtbarkeit Hallo, die beiden Jungs auf dem ca. 30 Jahre alten Foto kenne ich und leben noch!! Der...
Daniel
Hallo Michael, also nach den ganzen kritischem Kommentaren möchte ich sagen, dass ich Eure Aktion begrüße. Das Casting...
Lothar
Als Engagement würde ich euren Wagen verstehen, wenn ihr damit irgend eine Gruppe oder einen Verein aus der Community...
Herbert
lieber Michael, euer Engagement wird keineswegs "in den Dreck gezogen". Allerdings muss es erlaubt sein zu...
michael eck
schade, dass meine vorredner unser engagement beim csd so in den dreck ziehen. wir engagieren uns mit sehr viel spaß...
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Das ist doch konstruiert !!! Wenn dieser Antrag ein "Showantrag" sein sollte, dann ist doch die Empörung...
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lieber Stefan, es bleibt abzuwarten, ob es dem Hinnerk gelingt, sich von den Interessen seiner Anteilseigner...
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Farid hat da nicht unrecht: dieser Antrag ist Heuchelei, denn sobald die SPD wieder im Bundestag am Ruder sitzt hat sie...
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Sehr geehrter Herr Müller, wie kann es heuchlerisch von der Hamburger SPD sein, zu versuchen das umzusetzen, was im...
Stefan Mielchen
Lieber Lothar, lieber Herbert, die Übergänge zwischen Inhaltlichkeit und Kommerzialisierung beim CSD sind seit langer...
Lothar
Da kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Manchmal kann ich gar nicht soviel fressen, wie ich k***...
roulette spiel
Hammer Artikel, dies wollte ich selbst auch schon mal ausdrucken, wusste nur nie wie ich dies niederschreiben konnte...
Herbert
super Idee... genau sowas brauchen wir auf einer "Demonstration": ein überteuertes Möbelhaus...
Guido
Unkritisches homophiles PR-Nachgequatsche. Auch damit hat Ex-Maoist Bruno Gmünder, "der erfolgreiche...
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duslog - der beste eurovisionsblog im netz!
Suryo
Nicht ganz richtig, was am anfang des Artikels steht. Die vollständige Gleichstellung der Eingetragenen...
Markus
Super Idee!