

Eine solche Uhrenpräsentation hat sich noch kein Magazin getraut: „All Around The Cock“ lautet der Titel, und der Name ist Programm. Edle Chronographen, drapiert an erigierten Penissen – das ist schon mal ein Hingucker. Wen interessiert da noch, was eines dieser edlen Stücke kostet oder aus welcher Manufaktur es stammt? Auch wenn diese Angaben in „Horst“ selbstverständlich geliefert werden, wie es sich für eine Modestrecke gehört.
„Die voyeuristischen Erwartungen werden intellektuell ironisch gebrochen und definieren die popkulturell geprägten Sehgewohnheiten neu“, erklärt Herausgeber Armin Morbach (40) die Bildsprache auf den mehr als 200 Seiten seines Heftes. Anders ausgedrückt: „Havin‘ a dick is pretty fuckin‘ awesome.“ Was die Frage hervorruft, worum es hier tatsächlich geht: um ein schickes Ambiente für die Uhren - oder für die Schwänze?
Morbach versteht das Magazin als Kunstprojekt für homosexuelle Erwachsene. 1.000 Exemplare des aufwändigen Hochglanztitels wurden gedruckt, erwerben kann sie, wer über 18 Jahre alt ist und 33,99 Euro ausgibt. „‘Horst‘ reflektiert das Lebensgefühl moderner schwuler Männer, die sich nicht über ihre sexuelle Orientierung definieren“, erklärt der Hamburger Stylist, der in seinem Editorial dann aber genauer hierüber ausführlich schreibt: die sexuelle Orientierung, die Erfahrungen des Andersseins, das Besondere der Sexualität, den Stolz, die Vielfalt.
„In ‚Horst‘ geht es um den selbstbewussten Umgang mit Männlichkeit, mit dem Körper, mit Bedürfnissen und Sexualität“, sagt Morbach, gleichzeitig auch Chefredakteur und Fotograf. Das Magazin soll Grenzen überschreiten und provozieren. Ein hehrer Anspruch in Zeiten einer übersexualisierten Welt, in der Tabugrenzen verschwimmen und Pornographie so allgegenwärtig ist, dass Provokation immer schwieriger wird. Der Berliner Künstler Stefan Thiel, der in seinen Papierschnitten schwulen Sex zeigt, sagt in einem Heft-Beitrag: „Der Bereich der Sexualität ist vor allem in der Kunst schon so breitgetreten, dass meine Bilder nahezu harmlos wirken.“
Eine Aussage, die sich auf das Heft übertragen ließe. Es strotzt vor Erotik, changiert zwischen geschmackvoll und geschmäcklerisch, zwischen Witz und Pose, Anspruch und Banalität. Aber es bietet wenig, was man nicht in der ein oder anderen Form bereits gesehen hätte. Das geht in Ordnung, weil es durchweg Sexappeal hat. Eine wirkliche Grenzüberschreitung ist das alles aber nicht.
„Horst“ ist eher ein anregendes Coffee Table Book. Eines, das man besser wegräumt, wenn Mutti zu Besuch kommt. Aber eines, das man auch dann gerne anschaut, wenn man sich als Schwuler über seine sexuelle Identität definiert.
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