
Aus einer anregenden Nacht wird ein intensives Wochenende. Bademeister Russell hofft in dem Kunststudenten Glen vielleicht den Man fürs Leben gefunden zu haben. Oder sind sie letztlich doch zu verschieden, als dass ihre Liebe eine Chance haben könnte?
Andrew Haighs bildgewaltiger und pointierter Film „Weekend“ ist intensiv und stimmungsvoll – und wie aus dem Leben gegriffen. Regisseur Andrew Haigh kommt zur Deutschlandpremiere am Samstagabend im Passage-Kino eigens nach Hamburg gereist. hinnerk hat sich vorab mit dem Londoner Filmemacher unterhalten:
Andrew, was war die Ausgangsidee zu diesem Film? Eigene Erfahrungen?
Ich wollte eine authentische und ehrliche Geschichte über zwei Männer erzählen, die sich ineinander verlieben. Natürlich kann man so etwas nicht schreiben, ohne dass auch eigene Erfahrung mit hineinspielen. Die Geschichte ist nicht autobiografisch, aber sie spiegelt meine Sicht der Welt.
Die Beiden repräsentieren gewissermaßen zwei Arten schwulen Selbstverständnisses: Russel will seine Sexualität lieber diskret leben, Glen sie zur Schau zu stellen und damit zu provozieren. Welche Haltung kommt deiner am nächsten?
Ich bin wohl irgendwo in der Mitte. Für die Geschichte aber wollte ich zwei extreme Positionen. Chris New, der den Glen spielt, hat dafür ein schönes Bild gebraucht. Er sagte, dass Glen den Lautstärkeregel ständig voll aufgedreht hat und überrascht ist, dass sich andere dadurch gestört fühlen. Russel mag’s lieber etwas ruhiger. Beide haben nachvollziehbare Gründe, warum sie so sind, wie sie sind, und ihre eigenen Wege damit umzugehen. Sie haben aber auch die Wahl und die Möglichkeiten die Lautstärke zu regulieren. Für mich ist „Weekend“ daher auch ein Film darüber, wie wir uns in der Welt selbst definieren. Dieser Unterschied macht allerdings auch ihre gegenseitige Attraktivität aus.
Warum hast du die Geschichte ausgerechnet in Nottingham angesiedelt?
Ich habe keine Beziehungen zu Nottingham, aber ich wollte den Film in einer Stadt zu drehen, die nicht sofort zu erkennen ist und die eben nicht London ist. Es gibt viele Schwule in der Welt, die nicht in großen, liberalen Städten mit hohem schwulen Bevölkerungsanteil leben. Viele leben in Provinzstädten, haben ganz normale Jobs – und das genau wollte ich zeigen.
„Weekend“: hinnerk präsentiert die Premiere am 22. Oktober, 20 Uhr, Passage 1.
Am 28. Oktober erscheint „Weekend“ (OmU) auf DVD. (GMfilms)
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