
Der Blick des Fremden seziert die gesellschaftlichen Zustände wie die erotischen Möglichkeiten. Mal sind es junge Männer der iranischen Upper-Class, die in eigene schwule Welt mit Poppers und Sexorgien zurückziehen, mal ein Museumsführer aus Berlin, der traumatisiert durch seine DDR-Vergangenheit sich alle Jahre wieder eine ekstatische Auszeit an der Côte d’Azur gönnt.
Immer wieder geht es in diesen acht Erzählungen des 1970 geborenen Autors („Der Prinz aus Berlin“) um die Kollision von sexueller Begierde und politischen Ideen. Ganz gleich ob die Repressionen von Stalinisten oder Islamlisten ausgehen – schwule Männer finden ungeachtet der Ideologien zusammen. Dass Marko Martin neben seinen essayistischen und literarischen Arbeiten vor allem als Reisejournalist arbeitet, kann er in diesem Band nicht verhehlen.
Wie Reporter berichten die Erzählerfiguren von solchen Zusammentreffen zwischen Ruanda, Israel und Tschechien. Manchmal ist diese journalistische Herangehensweise in der Sprache noch zu erkennen, vor allem dann, wenn er als Autor glaubt, schnell noch einige Fakten und Hintergründ und bisweilen auch Verständniserläuterungen mitliefern zu müssen. Ansonsten aber schreibt Martin eine Prosa, die sich durch lange, elegante Sätze auszeichnet, die die Konzentration des Lesers fordern, aber ihre ganz eigene Dynamik zu entwickeln vermag.
Marko Martin: „Schlafende Hunde“. Erzählungen. Eichborn Verlag. (Die Andere Bibliothek Band 298), 384 Seiten, gebunden im Schuber, 32 Euro
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