
Tomek lebt in Gubin an der deutsch-polnischen Grenze. Er liebt die Sterne. Statt bei seinem Vater in der Fußballmannschaft zu trainieren, verbringt er seine Zeit lieber mit dem pensionierten deutschen Lehrer Herr Weber, der in einem ehemaligen Grenzturm eine Sternwarte einrichten will. Was noch fehlt, ist ein Teleskop, viel mehr das Geld dafür.
Doch dann verliebt er sich in Marta, und die weiß was sie will: Party feiern, Klamotten und neue Zähne. Tomek muss das Geld beschaffen und gerät immer mehr in die blühende Prostitution im deutsch-polnischen Grenzgebiet.
In der Disko „La Strada“ gerät Tomek an den Zuhälter Borys und in einen Teufelskreis aus Prostitution und Gewalt, aus der es bald schon kein Entkommen mehr für ihn gibt. Er prostituiert sich, wird selbst zum Zuhälter und schreckt nicht davor zurück, seinen besten Freund Ciemny zum Anschaffen zu schicken.
Regisseur Robert Glinski (er hat zuletzt „Unkenrufe“ von Günter Grass verfilmt) gibt sich nicht zimperlich. Sein Drama endet recht gewalttätig und man mag sich darüber streiten, ob er mit einer weniger extrem zugespitzten Auseinandersetzung mit der Kinderprostitution nicht mehr erreicht hätte.
Ihm gelingt es allerdings, auch dank der überzeugenden Darsteller, den langsamen Verlust der Unschuld dieser vom schnellen Geld und der Verlockung westlichen Wohlstands korrumpierten Jungs nachdrücklich zu schildern: Sie leben in drastischen Verhältnissen, doch mit den deutschen Sextouristen haben sie den Überfluss stets vor Augen. Aus dieser Konstellation entsteht eine existentielle Geschichte, die universell für eine junge, europäische Generation auf der Suche nach Identität, Liebe und Wohlstand steht.
„Ich, Tomek“. Regie Robert Glinksi, mit Filip Garbacz, Anna Kulej, Daniel Furmaniak. PL/D 2009, 94 min
Gay-Filmnacht: CinemaxX Hamburg, Wandsbek Quarree 8-10, 28. Mai., 20.15 Uhr; weitere CinemaxX-Termine: Bremen, 28.5., Oldenburg, 30.5., jeweils 20 Uhr
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