
Liebe, Beziehung, Sex und Coming-out gehören zum Standardthemenrepertoire schwuler Autoren. Äußerst selten hingegen, dass Geschichte aus explizit schwuler Sicht erzählt wird, wie es etwa Jan Stressenreuter unlängst in seinem Roman „Mit seinen Augen“ über die Lebenssituation in den dumpf-biederen 50er Jahre tat oder Lutz van Dijk mit „Verdammt starke Liebe, der wahren Geschichte eines polnisch-deutschen Schwulenpaares während des Zweiten Weltkrieges.
Anhand des Schicksals des KZ-Häftlings Fritz versucht Rainer Vollath nun in seinem Debüt „Zwei Lieben“ ein umfassendes Lebensbild Homosexueller in der NS-Zeit zu zeichnen. In distanzierten, fast sachlich-journalistischen Ton erzählt der 43-jährige Münchner von der Schließung der Schwulenlokale durch die Nazis, von Zwangskastrationen und Verhaftungen.
Ins Zentrum aber rücken die Erniedrigungen, Entbehrungen und das Sterben in den Konzentrationslagern – und die überlebensnotwendigen Momenten des Glücks inmitten des Grauens. Eine heimliche Liebe zu einem polnischen Mitgefangenen hilft ihm das KZ zu überstehen.
Verschränkt ist dieser Erzählstrang mit Episoden aus Fritz’ Leben nach 1969, dem Jahr der Reformierung des Anti-Schwulen-Paragrafen 175. Die Aufbruchsstimmung innerhalb der jungen bundesrepublikanischen Schwulenbewegung bringt auch für Fritz ein Ende des Verstecktlebens. Im reifen Alter vermag er zum ersten Mal frei von Angst vor Repressalien einen Mann zu lieben.
Rainer Vollath „Zwei Lieben“. Roman, Querverlag, 208 Seiten, 14,90 Euro
Sa
04
Feb
2012
So
05
Feb
2012
Mo
06
Feb
2012
Di
07
Feb
2012
Mi
08
Feb
2012
Do
09
Feb
2012
Fr
10
Feb
2012
Sa
11
Feb
2012
So
12
Feb
2012
Mo
13
Feb
2012
Di
14
Feb
2012
Mi
15
Feb
2012
Do
16
Feb
2012
Fr
17
Feb
2012
Sa
18
Feb
2012
So
19
Feb
2012
Mo
20
Feb
2012
Di
21
Feb
2012