
67 Jahre ist Rosa von Praunheim mittlerweile, da darf man auch gerne mal etwas sentimental werden und sich an die guten alten, aufregenden Zeiten erinnern. In seinem Falle an all die Abenteuer, die er in New York erlebt und all die Anregungen, die er dort erhalten hat.
„New York war für mich die geilste Stadt der Welt. Hier hatte ich den geilsten Sex mit Bodybuildern und Andy-Warhol-Superstars“, erzählt Praunheim aus dem Off seines neuen Dokumentarfilms. In New York erlebte er seine ersten Stonewall-Demonstrationen, wie Aids später die schwule Szene zerstörte, aber auch eine neue Wellevon politischem Aktivismus entstehen ließ. Dies alles schlug sich in Praunheims filmischer Arbeit nieder, von „Armee der Liebenden“ über „Transsexual Menace“ bis „Schweigen = Tod“.
In „New York Memories“ lässt Praunheim diese Stationen in seiner 40-jährigen Beziehung zu der Stadt Revue passieren. Das ist, wie von Rosa zu erwarten, immer sehr persönlich und lebt von überraschenden Aspekten und den – ebenso typisch –bisweilen doch recht ruppig geschnittenen Interviews. So trifft Praunheim auch zwei seiner Protagonisten aus „Überleben in New York“ wieder. 1988 Film hatte er drei deutsche Frauen porträtiert, die das Wagnis eingegangen waren, sich im „Big Apple“ eine neue Existenz aufzubauen. Die lesbische Journalistin Claudia Steinberg und die Ex-Stripperin Anna Steegmann haben dies mit großem Erfolg geschafft.
Auch die jungen Geschwister Lucie und Marie Pohl wollen sich in New York behaupten und als Schauspielern bzw. Autorin etablieren. Viel zu kurz hingegen fällt für den Zuschauer die Begegnung mit Isaac aus. Mit einer geradezu irritierenden Selbstsicherheit definiert sich hier ein gerade mal zwölf Jahre alter Schuljunge als Transgender und konfrontiert selbstbewusst damit seine Umwelt.
“New York Memories” in Anwesenheit von Regisseur Rosa von Praunheim: Montag, 12. Juli, Abaton-Kino. Genaue Uhrzeit unter www.abaton.de
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