
Nina, nimmt man die Essenz deines Buches, dann bleiben ein paar Kilo Koks, etliche Kisten Wodka und zahllose Schwänze.
Schätzchen, der Teil ist natürlich nicht wahr! Oder vielleicht nur ein bisschen...
Hast du kein du Problem, dass man nach der Lektüre Nina Queer vor allem als Schlampe wahrnehmen wird?
Dazu hätte es das Buch nicht mehr gebraucht. Die Leute hatten schon vorher diese Meinung von mir. Ich hab nur untermauert, worüber alle eh ständig getratscht haben.
Du hast dieses Image aber auch selbst gezielt inszeniert.
Genau. Deshalb komme ich aus der Nummer auch nicht mehr heraus. Als ich an Anfang 20 war, hab ich noch solche Dinger gebracht: total zugekokst zum Sat1-Frühstücksfernsehen gegangen oder auf jemandem auf der Tanzfläche einen geblasen. Heute weiß ich, wann ich mich ins Taxi zu setzen habe.
Ist es nicht schwierig, zwischen Kunstfigur Nina Queer und Privatperson Daniel Wegscheider die Grenze zu ziehen?
Ich habe einen engen Freundeskreis, die können das gut trennen. Schwierig ist es in der Partnerschaft. Die Leute gehen oft mit einer falschen Erwartung hinein und sind vielleicht enttäuscht, dass mein Leben dann doch nicht so glamourös ist, wie sie es aus Zeitung oder Fernsehen kennen. Oder sie sind einfach überfordert und wünschen sich mehr Privatleben.
Kannst du denn das Leben als Nina und als Daniel überhaupt noch trennen?
Als Privatperson gehe ich zum Beispiel auf keine schwule Party, sondern will meine Ruhe haben und genieße es anonym zu sein. Natürlich steckt auch viel Nina in Daniel und umgekehrt. Aber das ist auszuhalten.
Du hattest vor einiger Zeit eine Lesung in deinem Heimatdorf in Kärnten. War es deinen Eltern nicht hochnotpeinlich, dass du dort vor versammelter Dorfbevölkerung Erlebnisse ausgebreitet hast, die selbst in ihren schlimmsten sexuellen Alpträumen nicht vorkommen?
Sie wissen das zu trennen. Das war zu Anfang natürlich etwas anders. Als ich zum ersten Mal im Fernsehen war, wurden sie von Nachbarn darauf angesprochen: „Ich glaube, wir haben gerade ihren Sohn in Frauenklamotten bei RTL gesehen.“ Für meine Eltern war ich immer ein Mysterium. Die konnten sich nie so recht vorstellen, was ich in Berlin da eigentlich mache. Ich hab sie dann einfach mal eingeladen und sie eine Woche lang überall mithin geschleppt: in meine Bar, in meine Radioshow, zu Auftritten. Die bekamen die volle Dröhnung Nina und ich dachte: Die kommen nie mehr wieder. Aber genau das Gegenteil war der Fall.
Hast du dir auch schon den Vorwurf gefallen lassen müssen, eine Medienhure zu sein, die mit ihren Auftritten im Hetero-Boulevard-Fernsehen die schwule Gemeinschaft verrät?
Eigentlich nicht. Das mag daran liegen, dass ich immer schon diese Glamourschiene mit Louis Vuitton-Handtasche und Dior-Kleid gefahren bin. Das passt natürlich in diese Hochglanzfernsehwelt. Ich war nie so hochpolitisch wie in Berlin zum Beispiel Gloria Viagra. Deshalb konnte ich auch ohne Glaubwürdigkeitsverlust in der Dokusoap „Frauentausch“ mitmachen. Und glaub mir: Anschließend wollten das alle anderen Tunten auch! Deshalb fühle ich mich nicht als Verräterin. Ich hab mir alles selbst aufgebaut und nie vorgegeben, etwas anderes zu sein.
Nina Queer: „Dauerläufig“. Querverlag, 199 S., 17,90 Euro.
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