
Markus und Edgar führen nicht gerade eine harmonische Partnerschaft. Edgar fühlt sich wie Johanna von Koczian, hat keine Lust auf das bisschen Haushalt und schon gar nicht darauf, seinem Mann ein Essen zuzubereiten. Dieser hat trotzdem den Eindruck, dass aus der Küche Schwaden von verbranntem Essen in seine Nase ziehen. Weit gefehlt.
Zwar brennt das Feuer der Leidenschaft nicht mehr, dafür aber der Keksladen unter ihnen. Die beiden kommen mit dem Leben davon, aber fünf andere Menschen waren nicht so glücklich. Einige der Leichen hatten zwar vor ihrem Ableben ein erfülltes Liebesleben – aber wurde ihnen vielleicht gerade das zum Verhängnis? Und wer hat ausgerechnet der freundlichen polnischen Putzfrau eine Kugel in den Körper gejagt? Dass es zudem eine Leiche mit Migrationshintergrund gibt, macht die Ermittlungen für Hauptkommissarin Maria Plasberg und ihren schwulen Kollegen Torsten Brinkhoff nicht leichter.
Jan Stressenreuter hat seinem brillanten Debut „Aus Rache“ einen weiteren erschreckend spannenden Kriminalroman folgen lassen. Der fremdländischen Herkunft einer Gruppe von Verdächtigen ist eine politische Korrektheit geschuldet, unter welcher die Konstruktion des Krimis etwas ächzt, ebenso wie eine Profilerin, die unvermittelt auftaucht, eine These aufstellt und wieder verschwindet. Dennoch: Die Kunst Fäden zu knüpfen, Maschen fallen zu lassen und das kunstvolle Gewebe aus Verdächtigen und Verwandten nie aus den sicheren Händen zu verlieren, beherrscht Stressenreuter auf geradezu perfide Weise: Kein Leser wird sich bei der Lektüre gern unterbrechen lassen.
Christoph Dompke
Jan Stressenreuter: „Aus Angst“. Querverlag, 432 S., 12,90 Euro
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