
Mit Blick auf die Ereignisse von 1980, als die Polizei noch auf Demonstranten einprügelte, sagte Hamburg-Pride-Vorsitzender Lars Peters am Samstag auf der Kundgebung in der Mönckebergstraße: „Zusammen setzen wir ein deutliches Zeichen: Hamburg ist eine liberale Stadt, in der Homo-, Bi- und Transsexuelle toleriert und akzeptiert werden. Hier muss sich niemand verstecken oder verleugnen. Wir können frei und selbstbewusst leben.“
Und dieses Zeichen setzten deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr: Die Polizei korrigierte im Laufe des Tages ihre Zahlen nach oben und sprach am Ende von 100.000 Menschen, die im Zug oder als Zuschauer an der Paradestrecke die Demonstration begleiteten.
In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt hatte der GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller auf die Notwendigkeit der Parade hingewiesen: „Gleiche Rechte sind ebenso wenig erreicht wie völlige Akzeptanz. Außerdem geht es beim CSD darum, sichtbar zu sein und wenigstens einen Tag im Jahr in der Mehrheit.“ Er verteidigte auch die Form des Protestes, die Kritiker als reine Party ansehen: „Schwule und Lesben sind anders. Und auch der Protest ist anders. Was kann besser sein, als mit Heiterkeit für etwas zu demonstrieren? Wie politisch der CSD ist, zeigen das Motto - und die Präsenz der Politik“, so Müller.
Lars Peters trug auf der Mönckebergstraße die politischen Forderungen zum diesjährigen CSD vor: unter anderem die völlige Gleichstellung Eingetragener Partnerschaften, die Aufnahme der sexuellen Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes, eine Entschädigung für Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in Deutschland nach 1945 sowie ein kontinuierliches Engagement des Hamburger Senats bei der Aids-Aufklärung und HIV-Prävention. Peters forderte den Hamburger Senat, die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, sich für die Einhaltung der Menschenrechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen in allen Ländern der EU und darüber hinaus einzusetzen.
Damit wandte sich der Hamburg-Pride-Vorsitzende auch an den Gast des Schirmherren, Mariela Castro, die mit Corny Littmann im offenen Cadillac an der Spitze der Demonstration fuhr: „Frau Castro, nutzen Sie Ihren Einfluss, um allen Kubanern die grundlegenden Menschenrechte zu gewähren“, forderte Peters und ergänzte auf spanisch: „Libertad y derechos humanos para todos los cubanos, heterosexuales y homosexuales!“ („Freiheit und Menschenrechte für alle Kubaner, hetero- und homosexuelle.“).
Bei strahlendem Sonnenschein feierten im Anschluss an die Parade Zehntausende Menschen auf dem Straßenfest an der Binnenalster weiter. Hamburger Politiker diskutierten hier kontrovers über die politischen Forderungen und Politik für Schwule und Lesben in Hamburg und im Bund. Die traditionelle Gedenkminute für die Opfer von HIV und Aids musste ausfallen, da die Luftballonanlieferung aufgrund eines Verkehrsunfalls nicht rechtzeitig erfolgen konnte. Die Nacht endete mit zahlreichen Partys: Von der Roten Flora bis zum Edelfettwerk hieß es hierbei: volle Hütte.
Am Sonntag berichteten Zeitzeugen in einer Diskussionsrunde auf der Hauptbühne von der ersten Hamburger Stonewall-Demo vor 30 Jahren. An Jungfernstieg und Ballindamm wurde noch bis 22 Uhr gefeiert, auch ein zwischenzeitlicher Gewitterschauer konnte die Besucher nicht vertreiben. Zum Abschluss traten am Abend Kay Ray und die Spacecakes auf.
Damit endete ein CSD, der bereits am 1. Juli mit der Veranstaltungsreihe "30 Jahre, 30 Tage" begonnen hatte, die nahtlos in die Pride Week überging. Wer wollte, konnte im Jubiläumsjahr 2010 bereits im Vorfeld so viele inhaltliche Veranstaltungen wie nie zuvor in Hamburg erleben. Auch das Pride House an der Alster erfreute sich großen Zuspruchs und hat sich im fünften Jahr seines Bestehens zum unverzichtbaren Bestandteil des CSD entwickelt.
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Warum zeigt ihr nicht noch ein paar Bilder von Corny Littmann, der ist nur 25 mal dabei.
Super Gelaufen Gute Stimmung alles Schön. Ein herzliches Dankeschön an die Polizei Hamburg insbesondere das PK 14, namendlich hervorzuheben PHK Brendling und PHK Pommering
Ich War als Ehrenamtlicher Ordner eingesetzt und die Zusammarbeit klappte Hervorragend. Im nächsten Jahr Werde ich wieder Dabeisein
Mit freundlichen Grüssen aus der Bundeshauptstadt Berlin
Bernhard Wiggers
@christian: jeder Wagen und jede Fussgruppe hatte einen "Schildträger", auf dem die jeweiligen Forderungen mitgeteilt wurden. Ich fand dies sehr gut! Von jedem Wagen wurden auf der Möckebergstr. gut hörbar die Forderungen übertragen.
Ich weiß auch nicht so genau, wo es eine Sackgasse auf dem Strassenfest gab? Ich gebe Dir recht - dass gerade am Ballindamm nicht sehr viele Aus- bzw. Eingänge vorhanden waren, aber eine Sackgasse?
Ich möchte jedenfalls allen Verantwortlichen von Hamburg Pride, den Helfern, Ordnern und Teilnehmern ein großes Lob aussprechen! Es war ein toller CSD und ich freue mich schon auf 2011! ...und jeder CSD ist wichtig!
ich finde, der csd war eine gute party, mehr aber nicht. an den wagen habe ich die forderung sehr vermisst. ich meine, dass es letztes jahr noch eine auflage bzgl. der werbung und der politischen forderung gegeben hat - war diese in diesem jahr außer kraft? wie sollen wir für unsere rechte kämpfen, wenn sie niemand sieht?
ich habe schon häufig von einer verlesung der forderung des csd's gehört. leider konnte ich sie in diesem jahr wieder nicht verstehen, da ich - wie in jedem jahr - am falschen wagen dann stehe. sorry, aber dann kann man sich das auch schenken, denn 90 % der besucher stehen dann nur dumm rum und warten darauf, dass es weiter geht. ganz ehrlich, ich frage mich, wie sinnhaft der csd in hamburg überhaupt noch ist, wenn es nur um party geht.
für die organisatoren ist es sicherlich ein gewaltiges stück arbeit, aber warum lasst ihr die besucher des straßenfestes in eine sackgasse laufen? entweder drängelt man sich über die tanzfläche vom sündikat oder man steigt über büsche? wo ist hier die logik gewesen? ich dachte man hätte aus duisburg gelernt.
Hallo Christian, mir sind am Wochenende insgesamt drei Probleme aufgefallen - genau die, die Du benannt hast.
1. Politische Forderungen: Die Regelung, dass an keinem Fahrzeug mehr Werbung als politische Aussagen sein darf, gilt weiterhin. Wir werden uns die Fotos der Fahrzeuge anschauen und mit den Wagenleitern besprechen, ob die Auflagen erfüllt wurden bzw. wie sie im nächsten Jahr besser erfüllt werden können. Forderungen fanden sich in diesem Jahr aber auch wieder auf den getragenen Schildern und Transparenten. Insofern fand ein Transport der politischen Kernaussagen statt, der aber noch verbessert werden kann. Hier ist im übrigen auch jeder einzelne Teilnehmer der Parade gefordert, sich mit einem Plakat oder Banner Gehör zu verschaffen.
2. Ansprache auf der Mönckebergstraße: Die Kooperation mit Pink Channel (Tide 96,0) hat hervorragend geklappt - allein der Empfang von deren Frequenz auf der Mönckebergstraße war erheblich eingeschränkt. Wir werden klären, ob das ein technisches Problem ist, das behoben werden kann. Anderenfalls werden wir eine andere Lösung suchen, damit die Ansprache im nächsten Jahr von allen gehört werden kann.
3. Lehren aus Duisburg: Nach den tragischen Ereignissen nach der Love Parade gab es ein Treffen mit allen Verantwortlichen (Ämter, Polizei, Hamburg Pride) bzgl. der Parade und des Straßenfests, wie die Sicherheitsvorkehrungen noch besser realisiert werden können. Entsprechend kam es m.W. auch nirgends zu bedrohlichem Drängeln oder gar Panik. Wir hatten in diesem Jahr erstmals die Bühne an dieser Stelle stehen. Dadurch ergab sich die "Sackgasse" hinter dem Backstagebereich. Das Problem konnte vor Ort nicht mehr behoben werden. Für das nächste Jahr suchen wir nach einer Lösung.
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