
Im frisch angelaufenen Schuljahr 2010/2011 will die Hamburger Schulbehörde Maßnahmen starten, um es jungen Menschen künftig leichter zu machen, sich als schwul oder lesbisch zu outen. Das scheint auch dringend geboten: denn weit weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler werden im Unterricht überhaupt über Homosexualität aufgeklärt.
Das ergab eine neue Studie zur Jugendsexualität der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Danach gaben lediglich 34 Prozent der deutschen Mädchen und 40 Prozent der deutschen Jungen an, im Schulunterricht etwas über Homosexualität gehört zu haben. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die extra ausgewiesen wurden, liegen die Werte fast gleich.
Die Befragung ergab, dass Bereiche wie das anatomische Wissen, Empfängnisverhütung oder Geschlechtskrankheiten, die zum Themenkanon des Sexualkundeunterrichtes gehören, tatsächlich auch Lehrstoff für den überwiegenden Teil der Jugendlichen waren. „Die übrigen Bereiche hingegen sind merklich randständiger und werden im Rahmen der schulischen Sexualaufklärung eher stiefmütterlich behandelt“, heißt es in der Studie. Hierzu gehört auch das Thema Homosexualität.
Dabei kommt der Schule in der Sexualaufklärung eine entscheidende Rolle zu: deutlich über 80 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass ihre Kenntnisse über Sexualität aus dem Schulunterricht stammen – keine Quelle der Sexualaufklärung (etwa Eltern oder Freunde) wurde von ihnen häufiger genannt. Zwar ersetzt das Wissen allein noch kein Coming-out. Doch der selbstverständliche Umgang mit dem Thema im Unterricht würde vielen Jugendlichen den Schritt dorthin erleichtern. Stattdessen erscheint Homosexualität häufig noch als Tabuthema im Unterricht.
Um so wichtiger wäre es, Lehrerinnen und Lehrer in die Lage zu versetzen, Fragen des Schwul- und Lesbischseins kompetent und selbstverständlich in den Unterreicht einzubeziehen. Denn trotz zunehmender öffentlicher Akzeptanz trauen sich viele Jugendliche auch weiterhin nicht, sich vor ihren Mitschülerinnen und Mitschülern als schwul oder lesbisch zu outen. Die ständige Angst, abgelehnt oder entdeckt zu werden, führt häufig zu fatalen Bewältigungsstrategien; Depressionen, Drogenkonsum oder Suizidversuche sind keine Seltenheit. Die Beschimpfung „schwule Sau“ gehört zum Alltag im Klassenzimmer.
Damit sich auch im Schulalltag jeder ohne Angst vor Mobbing zu seiner Lebensweise bekennen kann, hatte die Hamburgische Bürgerschaft bereits zum Jahreswechsel 2007/2008 ein Maßnahmenpaket zur Stärkung junger Menschen bei der Herausbildung ihrer sexuellen Identität beschlossen. Mit dem neuen Schuljahr soll nun endlich am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) eine Fachkraft die Schulen persönlich beraten. Vorgesehen sind unter anderem Fortbildungen für Lehrkräfte. Auch der Kontakt zu Beratungseinrichtungen wie dem Aufklärungsprojekt „Soorum“ im MHC wird von hier aus koordiniert.
Ab Herbst sollen sich Interessierte außerdem über aktuelle Themen und Beratungsangebote im Internet informieren können. Zudem werden Unterrichtsmaterialien, Buchtipps und weiteres Infomaterial im Internet bereitgestellt.
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