
Heute auf den Tag genau vor einem Jahr trat Bundespräsident Horst Köhler zurück. Die CDU suchte dringend einen Nachfolger. An Ole dachte dabei offenbar niemand, doch der gestand dem „Zeit-Magazin“, dass er sich durchaus zu Höherem berufen gefühlt hätte: „Ach, wenn man mich gefragt hätte – ich hätte nicht Nein gesagt.“
Aber es hat niemand gefragt, und von Beust glaubt auch den Grund zu kennen: „Ministerpräsident ist das Äußerste“, was ein Homosexueller in der CDU werden könne, sagte er in dem Interview. „Ich selbst wäre auch nie Spitzenkandidat geworden, wenn die Leute geahnt hätten, dass ich gewinnen könnte. Ich war ja eher eine Verlegenheitslösung, der Jungspund, der immer so aussieht, als käme er vom Segeln. Ich weiß, dass Helmut Kohl 1997 dagegen war, dass ich Spitzenkandidat wurde.“
Rund neun Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Amt schildert von Beust nun erstmals ausführlich die Motive, die ihn am 18. Juli dazu bewogen, seinen Rücktritt nach neuneinhalb Jahren als Erster Bürgermeister anzukündigen. Viele Dinge hätten sich im Laufe der Zeit wiederholt: „Es gibt viele Termine, die Jahr für Jahr die gleichen sind. Die Leute erwarten zu Recht, dass ein Bürgermeister gerne dorthin geht. Ich dachte aber immer öfter: Warum schon wieder? Ich war doch schon acht Mal da. Ich weiß genau, welche Musik gespielt wird, welche Reden gehalten werden.“ Außerdem räumte von Beust ein, er habe gemerkt, „dass ich schlechter wurde“.
Und doch schließt er eine Rückkehr in die Politik nicht grundsätzlich aus: „Ich sehne mich nicht danach, und ich bitte nicht darum. Aber wenn es eine interessante Aufgabe gäbe, dann würde ich darüber nachdenken.“
Kurz nach seinem Ausscheiden aus der Politik machte von Beust mit einem öffentlichen Auftritt gleich wieder Schlagzeilen: An seiner Seite zeigte sich erstmals Lukas Förster, der junge Lebensgefährte des Ex-Bürgermeisters. Da war Christian Wulff längst zum Bundespräsidenten gewählt. Vielleicht auch besser so: Ein schwules Staatsoberhaupt mit einem 36 Jahre jüngeren Freund hätte die Nation zweifellos überfordert. Schon das Medienecho in Hamburg ließ ahnen, dass sich ein Schwuler eben nicht das herausnehmen kann, was Hetero-Politiker wie Franz Müntefering oder Joschka Fischer wie selbstverständlich zelebrieren.
Er habe sein Schwulsein immer „sehr offen gelebt“, sagte von Beust. Dennoch hätte er lange Zeit Angst vor einem Outing gehabt: „Ich wollte mich nicht rechtfertigen müssen für Dinge, die keinen was angehen. Und ich wollte nicht der schwule Fraktionsvorsitzende sein, sondern der Fraktionsvorsitzende, der vielleicht auch schwul ist.“
Starke Kritik übte er in dem Interview am Verhalten der Medien nach seinem erzwungenen Outing durch den damaligen Hamburger Innensenator Ronald Schill im Jahr 2003. Zeitungen hätten anschließend „monatelang mein Privatleben durchforstet“, sagte von Beust. „Die haben bei Handwerkern angerufen, ob es Vorrichtungen an der Wand gibt, an denen jemand gefesselt werden kann, ob es Spiegel überm Bett gibt. … Dieses Gefühl, dass das eigene Umfeld abgeschöpft wurde – das hat mich wirklich belastet.“
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Arbeit ist auch Wiederholung und macht nicht immer Spaß. Im Bürgermeisteramt hat man Verantwortung für die Stadt, die nicht so mal eben abgelegt werden kann. Der unnötige spontane Rücktritt ist durch nichts zu entschuldigen. Wer so handelt ist auch für andere politische Ämter kein Gewinn. Und die Presse hat ihn als CDU-Repräsentanten jahrelang geschont: In früheren Jahren der "eingefleischte Junggeselle" über den nichts Privates öffentlich wurde. Koalition mit unzuverlässigen "schill"ernden Figuren. Enge Kontakte zum damaligen Justizsenator Kusch, dem Beust seine Eigentumswohnung am Hansaplatz vermietete. Zufälliges Verlassen der Wunderbar kurz vor einer umstrittenen Razzia. Und als Höhepunkt die ausufernden Kosten des Elbphilharmonie-Baus. Hätte es sich um einen SPD-Bürgermeister gehandelt, der durch Presseberichterstattung erzwungene Rücktritt hätte schon mehrfach stattgefunden.
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