
2011 steckten sich 2.700 Menschen in Deutschland mit dem HI-Virus an. Der höchste Wert für HIV-Neuinfektionen lag nach einem neuen Berechnungsverfahren des Berliner Robert Koch Institutes (RKI) im Jahr 2007 bei rund 3.400 Infektionen und geht seitdem zurück. Die meisten Neuinfektionen betreffen Schwule oder andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM): Ihr Anteil liegt bei 1.500 Personen.
Insgesamt leben in Deutschland derzeit etwa 73.000 Menschen mit dem Virus, rund 6.000 davon in Hamburg. Auch hier stellen Schwule und MSM mit 45.00 Personen den größten Anteil. Diese Zahl steigt seit Mitte der 1990er Jahre, da die Zahl der Neuinfektionen höher ist als die Zahl der Todesfälle. Das RKI geht nach den Ergebnissen der Modellrechnung davon aus, dass bei etwa 14.000 der insgesamt 73.000 HIV-Infizierten die Infektion noch nicht diagnostiziert worden ist.
Erfreulich: Schwule sind zwar die am stärksten betroffene Gruppe von HIV und Aids. Bei ihnen ist aber auch der Rückgang der Neuinfektionen besonders stark. Dies wird von Experten unter anderem darauf zurückgeführt, dass in den letzten Jahren insbesondere in der schwulen Szene verstärkte Aufklärungsarbeit geleistet und für den HIV-Test geworben wurde. So ist der Anteil der auf HIV getesteten schwulen Männer im Zeitraum 2007 bis 2010 von 64 auf 70 Prozent angestiegen, 61 Prozent der HIV‐negativen schwulen Männer haben sich in den letzten zwölf Monaten testen lassen
„Zu den wichtigsten Ursachen für diese positive Entwicklung gehören die intensivierte Prävention und die zunehmend frühere Diagnose und Behandlung HIV-Infizierter, die dann weniger infektiös für ihre Sexualpartner sind“, sagt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Aber eine HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar, auch wenn sie mit Medikamenten meist gut behandelbar ist.“
Zur weiteren Vorsicht mahnt auch die gegenwärtig wieder steigende Zahl der Syphilis-Fälle bei Männern. Syphilis-Erkrankte stecken sich leichter mit HIV an und können HIV auch leichter übertragen.
Anhand neuer Daten zur Zeitspanne zwischen einer Infektion und der Diagnose kann der Verlauf der HIV‐Epidemie in Deutschland exakter als bislang berechnet werden. Im ersten Halbjahr 2011 wird auch bei den HIV-Diagnosen ein Rückgang erkennbar – ebenfalls in erster Linie bei Männern, die Sex mit Männern haben. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2011 werden 2.800 gemeldete und bestätigte Erstdiagnosen erwartet.
Außerdem rechnet das Robert Koch Institut mit etwa 500 Todesfälle bei HIV-Infizierten in diesem Jahr.
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