
Zehn Tage vor den abschließenden Beratungen über den Doppelhaushalt 2011/2012 schwenkt die GAL von ihrer bisherigen Linie ab. Die sah eine Mittelerhöhung für die Jugendarbeit mit dem Ziel vor, ein eigenständiges Jugendzentrum für Schwule zu errichten. Hierfür hatte der Vorgänger-Senat aus CDU und GAL 65.000 Euro zusätzlich in den Etatentwurf geschrieben, bevor die Koalition platzte.
Die SPD hält an dem Betrag fest, glaubt aber nicht, dass damit ein Jugendzentrum zu finanzieren sei. „Von der Summe, mit der man ein solches Jugendzentrum finanzieren könnte, sind wir weit weg“, betont der gleichstellungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Philipp-Sebastian Kühn mit Blick auf den Haushalt.
Er möchte das Geld lieber für „gleichgeschlechtliche“ Projekte eingesetzt wissen – also auch das Junglesbenzentrum hiervon profitieren lassen. „Junge Lesben haben teilweise die gleichen Problemlagen wie junge Schwule“, so Kühn. „Von Gewalt auf den Schulhöfen sind sie genauso betroffen.“
Am Ende, so der Wunsch des Sozialdemokraten, sollten beide Seiten hiervon etwas haben und stärker miteinander kooperieren. Gespräche zwischen den Trägern Magnus Hirschfeld Centrum und Intervention haben bereits stattgefunden.
Farid Müller, der die Erhöhung um 65.000 Euro ausschließlich der Jugendarbeit für Schwule zukommen lassen wollte, kritisiert die Pläne der SPD: „Es ist schon traurig, die SPD hat kein Konzept für die lesbisch-schwule Jugendarbeit, will aber die vom Vorgängersenat bereitgestellten Mittel für mehr Betroffene einsetzen und kürzt damit indirekt die Mittel, statt diese dann auch aufzustocken“, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete.
Die Grünen beantragen nun, auf die 65.000 Euro noch einmal 20.000 Euro für Intervention draufzusatteln. Der Antrag sei gedeckt, betonen sie. Mit dieser erneuten Erhöhung würden nach Angaben der GAL insgesamt 154.086 Euro für die lesbisch-schwule Jugendarbeit in Hamburg zur Verfügung stehen, soviel wie nie zuvor. „Mit diesen Mitteln würde perspektivisch ein lesbisch-schwules Jugendzentrum in Hamburg möglich“, betont die GAL – entgegen allem, was bisher von ihr gefordert wurde. Ein reines Jugendzentrum für Schwule scheint für sie damit endgültig vom Tisch zu sein.
Zusätzlich wollen die Grünen den Bedarf für die Transgender-Jugendarbeit prüfen lassen und den Etat gegebenenfalls noch weiter aufgestockt sehen. „Dann könnte mit weiter aufgestockten Mitteln ein lesbisch-schwules-transgender Jugendzentrum möglich werden“, so die GAL.
Für diesen inhaltlichen Schwenk hat die Partei auch eine Erklärung: Den Bruch der Koalition mit der CDU. „Die GAL-Bürgerschaftsfraktion hätte eine Stärkung der lesbischen Jugendarbeit ansonsten schon früher eingebracht“, heißt es jetzt, wo man wieder die Oppositionsbänke drücken muss.
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