
Er musste zunächst einmal korrigiert werden, denn dass es sich bei Startschuss nicht um einen schwulen Verein handelt, sondern um einen schwullesbischen, hatte Ole von Beust zu Beginn seiner Rede übersehen. Doch nach dem weiblichen Protest gerieten seine Worte umso herzlicher. „Startschuss ist im Hamburger Vereinsleben etabliert und in der Öffentlichkeit sehr präsent“, so von Beust, der außer sportlichen auch touristische Aspekte betonte. „Wer einmal zu einem Turnier in Hamburg war, der kommt auch wieder.“
Der Erste Bürgermeister ging in seinem Gußwort auch auf die jüngsten Debatten und Skandale um Homosexualität im Sport ein. „Unter integrativen Gesichtspunkten könnte man ja sagen: warum bringt man sich mit einem Verein wie Startschuss selbst in eine besondere Situation? Aber so lange es im Sport Schwierigkeiten gibt, sich zu outen, ist ein solcher Verein wichtig.“ Er ermögliche Solidarität und Selbstbestimmung: „Zu zeigen, was man ist, wer man ist und wie man ist“, so von Beust.
650 Mitglieder hat Startschuss heute, 18 Sportarten bietet der Verein an 40 Terminen in der Woche an. „Am Anfang stand eine Anzeige im Oxmox“, erinnerte Vorsitzender Jörn Möller an die Vereinsgründung. Die sei zunächst gar nicht das Ziel gewesen. „Doch wenn man Hallenzeiten bekommen will, muss man ein Verein sein“, so Möller. Also fanden sich einige Ehrenamtliche, die diese Arbeit auf sich nahmen. Das ist bis heute so: „Wir haben keine festangestellten Mitarbeiter, sondern erledigen die ganze Arbeit in unserer Freizeit“, sagte Möller und betonte: „Ein Verein ist nur so erfolgreich, wie seine Mitglieder aktiv sind.“
In 20 Jahren habe sich einiges gewandelt: „Früher wurde nicht einmal öffentlich gemacht, wo eine Gruppe stattfindet“. Doch auch heute noch gibt es hier eine gewisse Zurückhaltung: In den Startschuss-Flyern werden die entsprechenden Termine genannt und die U-Bahnhaltestellen in der Nähe der jeweiligen Sporthallen, nicht jedoch deren genaue Adressen. Das Angebot "HIV und Hop" für Menschen mit HIV und Aids sei bereits vor längerer Zeit wieder eingestellt worden. "Es war nicht mehr notwendig, weil sich die Lebenssituation von HIV-Positiven verbessert hat. Und das ist eine gute Nachricht", so Möller.
Sportlich wendet sich der Verein übrigens nicht allein an Schwule und Lesben, sondern auch an andere Mitglieder, die dort gerne aktiv sind. „Wir sind ein ganz normaler Verein“, so Möller, „und wir haben die Nicht-Diskriminierung zum Prinzip erhoben. Das gilt auch für alle, die nicht homosexuell sind.“
Damit fährt Startschuss weitgehend gut: Der Hamburger Sportbund beispielsweise hat kein Problem mit Homo-Mannschaften. Nur die Tänzer können im gängigen Ligabetrieb nicht antreten. Der deutsche Tanzsportverband lässt schwule oder lesbische Latein- und Standardpaare dort nicht zu. Er bot Startschuss eine Alternative an: die Abteilung Squaredance und Volkstanz.
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