
Herr Dr. Kaiser, welche Entwicklungen hat der Aidstest in den letzten 25 Jahren gemacht?
Zusammengefasst ist er sensitiver, spezifischer und schneller geworden. Sensitiv bedeutet, dass der Test empfindlich ist. Spezifisch heißt, dass das Ergebnis auch richtig ist und schneller bedeutet, dass ich das Ergebnis innerhalb von etwa einer Stunde habe, nachdem die Blutprobe im Labor ist.
Wie funktioniert der Test?
Das Wort AIDS-Test ist eigentlich falsch. Es ist vielmehr ein HIV-Test, der entweder Antikörper gegen das Virus HIV oder Antikörper plus einen Virusbaustein (Antigen) nachweist. Mit letztgenanntem Test kann das Virus direkt nachgewiesen werden. Eine andere Möglichkeit ist das neuere PCR-Verfahren, das die Erbsubstanz des Virus nachweist. Es ist empfindlicher als die anderen Methoden, aber auch erheblich aufwendiger und teurer. Trotzdem wird seit einiger Zeit in Deutschland auch das PCR-Verfahren routinemäßig in der Blutspende eingesetzt, um die Sicherheit der Spenden noch weiter zu erhöhen.
Wie sicher ist er heute im Gegensatz zu den Anfängen?
Der erste kommerzielle Test kam vor 25 Jahren auf den Markt und war zwar sehr empfindlich, aber vergleichsweise ungenau. So konnten viele positive HIV-Testergebnisse im Bestätigungstest (Westernblot) nicht bestätigt werden, was dennoch zu einer großen Belastung der Betroffenen führte. Die modernen Teste sind zwar schnell und erkennen die verschiedenen Subtypen des Virus, trotzdem gilt, dass auffällige Ergebnisse immer in einem zweiten Test bestätigt werden müssen.
Wie hoch war das Risiko, sich durch eine Bluttransfusion mit dem HIV-Virus zu infizieren vor der Testung und wie hoch ist es heute?
Vor der Einführung der Virus-Inaktivierung wurden bis 1984 in Deutschland leider ein Vielzahl von Patienten infiziert, die auf die Gabe von Blutgerinnungspräparaten angewiesen waren. Nach 1984 gab es in Deutschland bis auf ganz wenige Ausnahmen keine weiteren Infektionen durch solche Blutprodukte. Heute ist das Risiko sich mit einer Blutspende zu infizieren geringer als ein zu einer Million..
Wie groß ist das Fenster zwischen Infektion und sicherem Nachweis einer HIV-Infektion?
Sollte eine Infektion erfolgen, ist sie mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 99 Prozent durch die PCR nach 14 Tagen nachweisbar. Mit den Testen, die nur Antikörper gegen HIV nachweisen, ist nach vier Wochen die Wahrscheinlichkeit ähnlich hoch. Es bleibt also noch eine kleine Unsicherheit, weshalb die offizielle Empfehlung vom RKI die Testung nach drei Monaten mit dem HIV-Test als sicher ansieht. Es ist also schon ein aussagekräftiges Ergebnis nach vier Wochen mit dem HIV-Test zu erwarten. Zur Absicherung empfiehlt das RKI aber noch die Untersuchung nach drei Monaten.
Wie lange muss ich heute auf das Ergebnis warten?
Der Test ist heute innerhalb einer Stunde durchzuführen, gerechnet vom Eintreffen der Probe im Labor. Früher dauerten diese Teste zwei Tage. Die größte Verzögerung in dem Ablauf liegt jedoch im Transport der Probe und daran, wie häufig in dem Labor der Test durchgeführt wird.
Wie sicher sind Schnelltests?
Zunächst ist zu sagen, dass die Schnellteste nicht schneller sind als die Teste, die im Labor gemacht werden. Es gibt nicht viele zugelassene Teste, diese haben aber eine etwas schlechtere Sicherheit als die Laborteste. Das größte Problem liegt in der Unerfahrenheit der Benutzer. Unscharfe Signale führen in der Regel zu Fehlinterpretationen. Insbesondere ab wann und wie ein Ergebnis als sicher anzusehen ist.
Wie stehen Sie zum Thema „Heimtest“?
Die Schnellteste sind gedacht für die Abklärung in Rettungsfahrzeugen. Auch der Hersteller empfiehlt eine Abklärung mit einem Labortest. Vor und nach dem Heimtest ist der Ratsuchende allein und bekommt nicht die medizinisch-psychologische Unterstützung und Aufklärung, die er in dieser Situation dringend braucht.
Welche Gründe sprechen dafür, sich testen zu lassen?
Auf jeden Fall empfiehlt es sich einen Arzt aufzusuchen, wenn man die Befürchtung hat, sich angesteckt zu haben. Ein HIV-Test löst aber keinesfalls alle Lebensprobleme, deshalb ist eine Beratung notwendig, beim Arzt oder einer Aidshilfe.
Wie sehen Sie die Chancen auf die Entwicklung eines Impfstoffs gegen HIV?
Die bisherigen Berichte über HIV-Impfungen sind wenig ermutigend. Das erklären wir uns durch die rasche Veränderung des HIV während seiner Vermehrung. Als Vergleich sei hier die Impfung gegen Grippe genannt. Auch dieses Virus verändert sich (aber bei weitem nicht so rasch wie HIV) weshalb jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt und verabreicht wird. Vielleicht können wir mit neuen Strategien das Virus „überlisten“. Es gibt keineswegs eine Untätigkeit auf dem Gebiet der Impfstoffentwicklung, aber bislang ist leider kein sicherer Impfstoff in Sicht.
Dr. Rolf Kaiser ist Projektleiter im Institut für Virologie der Universität zu Köln
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