
„Das hat es noch nie gegeben!“ sagt Michael Schilf, der die schwule Jugendarbeit im Magnus Hirschfeld Centrum (MHC) koordiniert, und freut sich: Auf rund 150 Quadratmetern wird beim CSD-Straßenfest auf dem Jungfernstieg in diesem Jahr erstmals ein Bereich geschaffen, der sich speziell an junge Lesben, Schwule und Transgender wendet. Zu dieser Premiere haben sich das MHC, der Jugendverband Lamba, das AStA-Queerreferat und die Frauen von Intervention e.V. zusammengetan – monatelange Überlegungen waren diesem Coming-out der Gemeinsamkeit vorausgegangen.
„Wir wollen den Jugendlichen ein Angebot machen, das kein Partybereich ist, sondern die Möglichkeit zum Rückzug bietet, zum Relaxen und zum Quatschen“, so Schilf. „Man glaubt es ja nicht, aber auch die Jungen sind wahnsinnig froh, wenn sie in dem ganzen Trubel auch einfach mal irgendwo sitzen können.“ Demonstrieren, Tanzen und die vielfältigen Eindrücke des womöglich ersten CSD verarbeiten – das geht auch mit 16 an die Substanz.
Der CSD wendet sich auch 2011 wieder an Menschen jeglichen Alters, auch wenn er ganz im Zeichen des Coming-out-Themas steht. Mit dem Motto „Trau Dich! Zeig Dich! Out ist in.“ sollen sowohl jüngere als auch ältere Besucher angesprochen und dazu motiviert werden, sich zu ihrer sexuellen Identität zu bekennen. „Viele haben Angst davor, sich in der Öffentlichkeit zu outen“, sagt Lars Peters, Erster Vorsitzender des organisierenden Vereins Hamburg Pride. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Betroffenen Mut zu machen, sie zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Ängsten und Problemen nicht alleine sind.“
Auch Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat in diesem Jahr sein Coming-out: Er ist erstmals Schirmherr der Veranstaltung, zu der Hamburg Pride mehr als 300.000 Menschen erwartet. „Es geht nicht um die, die ohnehin verstanden haben“, schreibt er in seinem Grußwort. „Es geht um die, die nicht verstanden haben.“ Das ist im Zweifel immer der politische Gegner. Zuletzt hat die Bürgerschaft auf Antrag der SPD-Fraktion den Senat aufgefordert, eine Bundesratsinitiative zur Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule zu starten. Worte zu finden, um die Bundesregierung unter Druck zu setzen.
Hamburgs 31. CSD fordert die volle rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Partnerschaften, eine Öffnung des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare sowie die Ergänzung des Grundgesetzartikels 3 um das Merkmal „Sexuelle Identität“. Auch eine Reform des Transsexuellengesetzes sowie eine Entschädigung aller nach 1945 wegen homosexueller Handlungen verurteilter Menschen gehören zum Forderungskatalog.
Das Übliche zwar, aber deswegen nicht weniger berechtigt. Die verantwortlichen Akteuren in Berlin und Hamburg kann man auch 2011 nur auffordern, nicht länger durch Reden aufzufallen, sondern endlich durch Taten zu überzeugen: Traut Euch! Zeigt Euch!
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