
Wer Tante Paul besuchen möchte, muss erst mal in den Keller hinabsteigen. Im Komet auf der Erichstraße schaut’s aus, wie es in typischen Kiezkneipen halt so ausschaut – etwas angeranzt und weit entfernt von dem schicken Getue, das zwischen Davidwache und Hafenstraße immer mehr um sich greift.
Und auch Daniel und Alex, die Macher der queeren Party, sehen nicht unbedingt so aus, wie sich finanzstarke Investoren das künftige Publikum des Quartiers vorstellen. Sie bewegen sich irgendwo zwischen Punk und Bauwagen – und dass sie schwul sind, vermutet sicher auch nicht gleich jeder. Homokonformität ist ihre Sache jedenfalls nicht.
Da wundert es auch nicht, wenn Daniel sagt: „Für mich gibt’s in Hamburg keine regelmäßige Party, auf der ich gerne bin. Deshalb mache ich meine eigene.“ Und das mit Erfolg: „Tante Paul“ hat sich zum Geheimtipp gemausert, die „Schwulesbitchqueerekiezparty“ zieht ein buntes Publikum an und ist mit 2 Euro Eintritt bewusst günstig gehalten – es kann sich halt nicht jeder 12 Euro an der Abendkasse leisten. „Uns ist wichtig, dass auch Leute kommen können, die nichts verdienen“, sagt Alex. Niemand sei hier gezwungen, zu konsumieren. Reich können und wollen die beiden Veranstalter mit diesem Konzept nicht werden – ihnen geht es um den Spaß und um ein Angebot.
Einmal im Monat kommen Schwule, Lesben und „queere Heteros“ ins Komet: Menschen, „die ein heteronormatives Weltbild ablehnen“. Und auch solche, die sich darum wahrscheinlich gar keinen Kopp machen, aber die entspannte Atmosphäre schätzen. Die Frauenquote liegt bei rund 50 Prozent.
Mit seinem Freund Alex steht Daniel meist selbst hinterm DJ-Pult, gespielt wird bei „Tante Paul“ alles von Punk über Nacy Sinatra bis zum Schlager – je nachdem, wie die Leute drauf sind. Der Dekobeauftragte Mario, ein Freund der beiden, zaubert je nach Lust, Laune oder Motto einen passenden Rahmen. Und das jeden letzten Samstag im Monat ab 22 Uhr – hingehen!
"Tante Paul": Samstag, 26. Juni, 22 Uhr, "Komet", Erichstraße 11